az-Länderserie Türkei

Abkehr von Subventionen mit der Gießkanne

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Die Erträge sind allerdings gering und können oftmals nur dank einer teuren Bewässerung erzielt werden. Für die Fleischerzeugung im Lande wiederum müssen teure Futtermittel importiert werden. Eine Modernisierung der Landwirtschaft ist mühsam, denn sie ist sehr klein strukturiert. Zahlreiche Betriebe dienen der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln. Außerdem zahlt die Regierung hohe Subventionen, in der Regel über den staatlichen Ankauf zu Garantiepreisen. Die Regierung in Ankara hat sich vorgenommen, ab diesem Jahr die Agrarpolitik weiter zu reformieren.

Die Agrarproduktion hat in der Türkei große Bedeutung. Fast 24 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Insgesamt soll es nach Angaben der EU-Kommission rund 3 Millionen Höfe geben, die meisten davon Familienbetriebe. Häufig handelt es sich allerdings um Subsistenzbetriebe, die allenfalls kleinere Mengen auf lokalen Märkten verkaufen.

Im internationalen Maßstab punktet die Türkei als einer der größten Weizenmehlexporteure. Auch bei Haselnüssen zählt das Land zu den führenden Anbietern am Weltmarkt. Außerdem gehören getrocknete Datteln und Feigen sowie alle Arten von Obst und Gemüse zu den bedeutenden Exportgütern. Ansonsten hat die Ernährung der Bevölkerung Priorität. Immerhin zählt die Türkei fast so viele Einwohner wie Deutschland.

Die Türken sind jedoch anders als die Deutschen keine großen Fleischesser. Die Schweinemast spielt in dem Land mit einer fast ausschließlichen muslimischen Bevölkerung ohnehin keine Rolle. Rind- und Geflügelfleisch sind die erste Wahl, ergänzt durch Schaf und Ziege. Der Pro-Kopf-Konsum ist jedoch relativ gering. Die EU-Kommission hat ermittelt, dass die Türken gerade ein Fünftel der Fleischmengen eines Durchschnittsbürgers der Europäischen Gemeinschaft verzehren.

In diesem Jahr stehen für die türkische Landwirtschaft umfangreiche Reformen an. Nach Informationen des Außenbüros des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) in Ankara sollen staatliche Zahlungen umgelenkt werden. Absicht der Regierung ist es, die Erzeugung mehr zu diversifizieren, aber auch den Anbau von bewässerungsintensiven Produkten in den Trockengebieten einzuschränken.

Definiert hat das türkische Agrarministerium 19 strategisch wichtige Produkte, zu denen alle Getreidearten und Reis, Hülsenfrüchte, Baumwolle, Tee, Haselnüsse, Oliven sowie Futterpflanzen gehören. Um den Anbau besser zu steuern, wird die Türkei je nach Klima und Bodenart in 941 landwirtschaftliche Gebiete eingeteilt. Nur Weizen und Futterpflanzen werden künftig noch in allen Gebieten subventioniert. Bei den anderen Kulturen entscheiden die Verhältnisse in der Region darüber, ob die staatlichen Interventionsstellen die Ernteprodukte weiterhin zu garantierten Preisen aufkaufen.

Insgesamt will das Agrarministerium die Agrarsubventionen 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf umgerechnet etwa 4,3 Mrd. US-$ aufstocken. Fast ein Drittel des Gesamtbetrages soll in die Tierhaltung fließen. Es geht vor allem um die Stärkung der türkischen Rinderzucht, um den Import von Lebendrindern zu verringern. Dazu sollen die Weideflächen ausgebaut und an Tierhalter verpachtet werden. (db)


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