Report Düngemittel

Abschied von pauschalen Gaben


Der Pflanzenanalyse-Service Megalab gibt Aufschluss, welche Nährstoffe Weizen oder andere Kulturen benötigen. Die Proben werden im Labor untersucht.
-- , Foto: Yara
Der Pflanzenanalyse-Service Megalab gibt Aufschluss, welche Nährstoffe Weizen oder andere Kulturen benötigen. Die Proben werden im Labor untersucht.

Der Gesetzgeber bestimmt zunehmend die Art und Weise, wie landwirtschaftliche Kulturen zu düngen sind. Dazu werden die Regeln der Guten Landwirtschaftlichen Praxis in der Novelle der Düngeverordnung, die noch in diesem Jahr in Kraft treten soll, neu formuliert. Für Landwirte bedeutet dies, mit den erlaubten Mengen an Stickstoff (N) hauszuhalten, um die ab 2018 vorgeschriebene Bilanz von 50 kg N/ha im dreijährigen Mittel zu schaffen. Stefanie Schmidt von Yara rät daher Landwirten, vor jeder Düngermaßnahme den Stickstoffbedarf der Pflanzen zu ermitteln. So schreibt es auch die novellierte Düngeverordnung vor. Mit dieser Vorgehensweise lassen sich gleichzeitig Verluste senken und die Effizienz steigern. Grund zur Panik gibt es für die Beraterin nicht: „Qualitätsweizen lässt sich sicher auch mit den neuen Düngevorschriften erzeugen.“ Sie rät aber zu einer Planung, die auf eine optimale Verwertung ausgerichtet ist und nach folgendem Schema ablaufen könnte:

  • Düngersorte mit der passenden Stickstoffform auswählen
  • Stickstoffmenge auf mehrere Teilgaben aufteilen
  • Serviceangebote während der Vegetation nutzen
  • Pflanzen grundsätzlich ausgewogen ernähren


Denn es nützt die beste N-Düngung nichts, wenn Kali, Phosphat oder Schwefel fehlen. Pauschale Düngergaben gehören der Vergangenheit an. Für jede Kultur stellt sich die Frage immer wieder neu: Wie viel Stickstoff braucht der Bestand, wie viel Stickstoff darf ausgebracht werden? Denn künftig gelten verbindliche Bedarfswerte.

Die zulässige N-Düngung ergibt sich aus dem Bedarfswert je nach Ertrag der vergangenen drei Jahre. Ausnahmejahre zählen dabei nicht mit. Hat ein Betrieb zum Beispiel durchschnittlich 8 t E-Weizen/ha geerntet, beträgt der N-Bedarfswert für E-Weizen der nächsten Saison 260kgN/ha. Bei A-, B- und Futterweizen fällt die zulässige Menge entsprechend geringer aus. Nach Maßgabe der neuen Verordnung muss von den 260kgN/ha noch der Nmin-Wert abgezogen werden. Schmidt weist hier auf eine weitere neue Bestimmung hin: Ab diesem Jahr 2016 muss der Probestock 90 cm tief in den Boden reichen, um den Stickstoff in tieferen Schichten zu erfassen. Bislang war teilweise bei 60 cm Schluss.

Mehr Protein im Korn

Im Beispiel für E-Weizen wird ein Nmin-Wert von 35kgN/ha abgezogen. Damit darf der E-Weizen mit rund 225kg/ha N gedüngt werden. Viele Betriebe müssen sich auf diese neue Berechnung einstellen. Denn in der Praxis wird weit mehr Stickstoff eingesetzt, als künftig in Weizen und Gerste erlaubt ist. „Gerade bei der Spätgabe greift der Landwirt manchmal tiefer in den Düngersack als nötig“, ist Schmidts Erfahrung. Dies hängt damit zusammen, dass in der Spätgabe die N-Effizienz unter ungünstigen Bedingungen wie zum Beispiel Trockenheit nur 35 Prozent betragen kann und damit weitaus niedriger ausfällt als bei der ersten oder zweiten Gabe, wo bis zu 90 Prozent drin sind. Deshalb wird hier gerne etwas mehr gedüngt, um den gewünschten Effekt von höheren Proteinwerten im Korn zu schaffen. Schmidt zählt einige Faktoren auf, die die N-Effizienz verringern wie gasförmige Verluste, die nach Harnstoffdüngung bei Trockenheit auftreten, sowie Verluste durch Immobilisation des gedüngten Stickstoffs durch Mikroorganismen im Boden.

Die N-Effizienz rückt zunehmend in den Fokus. Es ist ein berechneter Wert, der den Verwertungsgrad des gedüngten Stickstoffs durch die Pflanzen angibt. Liegen die erlaubten N-Mengen nicht viel höher als der Pflanzenbestand entzieht, so ist eine hohe N-Effizienz unabdingbar, um den optimalen Ertrag zu erreichen. Um beim E-Weizen zu bleiben: Hier liegt ein N-Entzug von 200kgN/ha vor – bei einem Ertrag von 8 t/ha. Die N-Effizienz beträgt rund 89 Prozent.

Betriebsleiter in Aktion

Schmidts Anliegen ist klar: „Um die Vorgaben der Düngeverordnung zu schaffen, muss ein Umdenken in der Landwirtschaft stattfinden.“ Sie machte die Probe aufs Exempel und führte auf einer Betriebsleiter-Konferenz, die im Herbst 2015 in verschiedenen deutschen Städten stattfand, unter den Teilnehmern Befragungen durch. Diese konnten sofort mit elektronischen Eingabegeräten antworten. Die Echtzeit-Ergebnisse verblüfften. Auf die Frage: „Wie hoch schätzen Sie Ihre N-Effizienz im Betrieb ein?“, blinkte ein mittlerer Wert von nur 55 Prozent auf. Da ist noch einiges zu tun. Besser sieht es bei der N-Bilanz aus. Hier gaben die meisten Unternehmer an, unter den geforderten 60kgN/ha zu liegen. Doch spätestens 2018, wenn eine N-Bilanz von 50kgN/ha verlangt wird, müssen viele Betriebe nacharbeiten.

Jedes Jahr die gleiche Menge zu düngen, entspricht nicht mehr der Praxis.Der Bedarf orientiert sich an den Parametern Stickstoffangebot im Boden und Stickstoffentzug. „Nur wenn wir die genaue N-Aufnahme der Pflanzen kennen, können wir die optimale Nährstoffmenge düngen“, sagt die Beraterin. Der Stickstoffentzug ist eine sehr variable Größe. Je nach Witterung und Wasservorrat schwankt der Bedarf auf einem Weizenschlag zwischen 200 und 240kgN/ha. Die Kenntnisse über die Heterogenität der Bestände innerhalb eines Schlages muss der Pflanzenbauer in seine Düngeentscheidung künftig einfließen lassen. Schmidts Ratschlag lautet deshalb: „Wir müssen lernen, Informationen schnell, sicher und exakt zu managen. Düngesensoren, Bodenproben und Serviceleistungen im Internet wie zum Beispiel Apps sind Hilfsmittel, um die N-Aufnahme und den Bedarf der Pflanzen exakt zu ermitteln.“

Auswertung mit Foto-App

Deshalb wurde in einer weiteren Runde nach dem Einsatz von Messgeräten gefragt, welche die Landwirte bereits einsetzen. Auf dem 1. Platz landete der N-Tester von Yara. Das Gerät ermittelt den N-Bedarf über den Chlorophyllgehalt in den Blättern. Die besten Ergebnisse liefert der N-Tester für die zweite und dritte Stickstoffgabe. Zur ersten Gabe liefert das Gerät keine Daten, da der Pflanzenbestand noch zu gering ist. Um jedoch den N-Bedarf nach der Winterpause dennoch ermitteln zu können, hat Yara die App Image IT entwickelt. Hier wird mithilfe von Fotos der Bedeckungsgrad des Bodens mit Pflanzen ermittelt. Daraus werden Zu- oder Abschläge zur betriebsüblichen Menge bei der ersten N-Gabe abgeleitet. Für alle anderen Nährstoffe gibt es den Megalab Pflanzenanalyse-Service der Yara. Versandtaschen sind online bestellen und können mit den Proben zurückgeschickt werden. Nach einer Woche erhält der Landwirte die Auswertung.



Wie düngen, wenn Wasser fehlt
Viele Landwirte stehen vor der Frage, wie sie düngen sollen, wenn es wochenlang nicht regnet. Hierfür stellte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Versuche vor. Der Verlauf war nicht einfach. Ausgewertet wurden am Schluss nur sechs Standorte, wo es wirklich nicht geregnet hatte. Es wurde geprüft, wie die Stickstoffdünger Kalkammonsalpeter (KAS), Ammonsulfatsalpeter (ASS) und Harnstoff von je 100kgN/ha unter trockenen Bedingungen wirken. Harnstoff wurde gekörnt und, in Wasser aufgelöst, ausgebracht. Im Ertrag gab es auch hier nur geringe Unterschiede zwischen den Varianten. Im Proteingehalt schnitt die KAS-Düngung mit 0,9 Prozent höheren Gehalten im Vergleich zur Variante Harnstoff gespritzt am besten ab. (da)

Hohe Variabilität im Bestand

Wem es gelingt, zum optimalen Zeitpunkt zu düngen, der kann mit höheren Erträgen und Proteinwerten rechnen. Eng damit verbunden ist die Diskussion, ob die gesamte Düngermenge einmalig oder in Teilgaben ausgebracht werden soll. Schmidt stellt dazu interessante Ergebnisse vor. So wurden Einmaldüngungen von jeweils 180kgN/ha mit stabilisiertem Harnstoff und mit Sulfan gegenübergestellt. Während es bei den Erträgen zwischen den Varianten nur geringe Unterschiede gibt, konnte der Proteingehalt in der geteilten Düngung bei gleichen N-Mengen im Vergleich zur Einmalgabe um 1,3 Prozent gesteigert werden.

Die geteilte N-Düngung nach N-Tester im Mittel über zehn Versuchsstandorte lag bei 191kg N/ha. Damit zeigt sich, dass mit dem N-Tester die hohe Variabilität im N-Bedarf ausgedüngt werden kann, ohne dass der Gesamt-N-Einsatz steigt. Dies hatte auch Auswirkungen auf die N-Bilanz: Sie lag bei der Harnstoff-Variante bei 44kgN/ha, bei einer Sulfan-Einmalgabe bei 30 kgN/ha und bei Sulfan-geteilter Gabe bei26kgN/ha. Unterm Strich erzielte die geteilte Gabe bessere Ergebnisse, obwohl nur 11kg N/ha mehr gedüngt wurden als mit der Einmalgabe. Dennoch konnte die N-Bilanz unter 50kgN/ha eingehalten werden. Zu verdanken sind die guten Werte vor allem den höheren Erträgen und Proteingehalten. Damit findet sich fast jedes verabreichte Kilogramm Stickstoff im Korn wieder. (da)
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