az-Länderserie Brasilien

Agrargigant vor ungelösten Problemen


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Brasilien spielt in der Produktion und dem Handel von Agrarrohstoffen wie Sojabohnen, Zuckerrohr und Mais in der internationalen Top-Liga. Das Potenzial ist aber längst nicht ausgeschöpft. Ein großes Hindernis stellen Schwächen im Transport und in der Lagerung von landwirtschaftlichen Produkten dar. Auch der Bodenmarkt ist im Vergleich zu anderen Top- Agrarproduzenten wie Europa oder den USA noch unterentwickelt. Während das warme, überwiegend tropische Klima Brasilien im Maisanbau einen Vorteil über die Möglichkeit von zwei Ernten pro Jahr verschafft, bereitet der Wechsel zwischen hohen Niederschlägen und ausgeprägter Trockenheit den Erzeugern Jahr für Jahr aufs Neue eine Zitterpartie.

Schier unendliche Weiten bietet Brasilien: Die Landesfläche umfasst knapp 852 Mio. ha. Damit ist der südamerikanische Staat etwa 24-mal so groß wie Deutschland. Nur 8,6 Prozent der Fläche werden laut Erhebungen der Weltlandwirtschaftsorganisation FAO für den Anbau von Marktfrüchten wie Sojabohnen, Mais, Kaffee oder Zuckerrohr genutzt – der überwiegende Teil entfällt mit knapp 62 Prozent auf Wald, weitere 24 Prozent bestehen aus Dauergrünland und Weiden.

Ein Grund, weshalb in Brasilien vergleichsweise wenig Land für den Ackerbau erschlossen ist, liegt darin, dass der Bodenmarkt im Vergleich zu anderen wichtigen Agrarproduzenten unterentwickelt ist. So waren laut der jüngsten Weltlandwirtschaftszählung 2006 nur 3,3 Prozent des brasilianischen Agrarlands verpachtet, während in Europa und den USA für 33 beziehungsweise 38 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Pachtverträge geschlossen waren.

Landnutzung
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Landnutzung


Doch zeigt die Entwicklung der Bodenpreise, dass Agrarland in wichtigen Produzentenstaaten wie Mato Grosso immer begehrter wird und sich der Markt für Flächen weiterentwickelt. Gab es in dem wichtigen Anbaustaat für Sojabohnen in der Mitte des Landes 1994 noch keinen Bodenmarkt, war ein Hektar 2010 bereits 7000 brasilianische Real, nach heutigem Stand rund 2000€, wert. Der weiteren Erschließung von Agrarflächen sind jedoch auch in politischer Hinsicht Grenzen gesetzt: Der Umbruch von Regenwaldflächen für den Anbau von Marktfrüchten ist heftig umstritten. Ein riesiges Problem für den brasilianischen Agrarsektor stellt die unzureichende Infrastruktur – vor allem im Transportsektor – dar: Ein Großteil der Agrarprodukte wird über Straßen befördert, die aber nur zu einem schwindenden Prozentsatz asphaltiert sind. Ausgebaute Straßen konzentrieren sich auf die urbanen Ballungszentren im Südwesten des Landes, fernab von den Agrarstaaten im Zentrum Brasiliens.

Das Netz an Binnenwasserwegen ist in dem Land unterentwickelt; über die Schienen werden vor allem Industrierohstoffe wie Eisenerz transportiert. Die 50 Seehäfen, die allesamt staatlich kontrolliert sind, gelten als ineffizient und teuer. Internationale Agrarrohstoffhändler und große Produzenten betreiben deshalb häufig eigene Exportsilos, um etwa Sojabohnen oder Mais zu verschiffen. (pio)
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