Das Größenwachstum von Agrarunternehmen in Osteuropa ist ungebrochen. Die Entwicklung wird von kritischen Stimmen begleitet. Ende 2012 werden die 100 größten Agrarunternehmen in der Ukraine rund 14. Mio. ha und damit rund 40 Prozent der gesamten Ackerfläche bewirtschaften, prognostizierte Dr. Alexej Lissitsa, Präsident des Ukrainischen Agribusiness Club, beim diesjährigen Forum des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle.

Seiner Ansicht nach wird sich die Entwicklung weiter fortsetzen. Zukunftschancen attestierte Lissitsa nur den großen Agrarunternehmen mit Flächen von mehreren zehn- bis hundertausend Hektar. Diese hätten einen wesentlich leichteren Zugang zu Kapital, arbeiteten effizienter und könnten bessere Konditionen bei Ein- und Verkauf aushandeln. Dies führe zu einer deutlich höheren Produktivität als bei kleinen landwirtschaftlichen Unternehmen. Für diese sieht Lissitsa nur noch im Anbau von Gemüse oder Nischenprodukten eine Perspektive, nicht jedoch in der Erzeugung von Getreide und Ölsaaten.  

Die Tendenz zu immer größeren Betrieben in Osteuropa wurde von anderen Teilnehmern kritisiert. Ihrer Ansicht nach tragen große Agrarunternehmen in Ländern wie der Ukraine und Russland zu einer sozial und ökologisch unerwünschten Entwicklung bei. Eine zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft  führe nicht zu vitalen ländlichen Räumen, lautete die Kritik. Dr. Christian Ebmeyer vom russischen Großunternehmen Ekoniva widersprach dieser Auffassung. Agroholdings, die Wert auf ein gutes Verhältnis mit der Bevölkerung vor Ort legten, könnten sehr wohl ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. (sch)

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