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Der Agrarstandort Deutschland hat auch im erweiterten Europa Zukunft. Dies ist für den Präsidenten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Philip Freiherr von dem Bussche, das wichtigste Fazit seiner Einschätzung über die Perspektiven 2004 der deutschen Landwirtschaft. Im Vorfeld der DLG-Wintertagung in Berlin wies er heute vor der Presse auf den ausgesprochenen Realitätssinn, die hervorragende Ausbildung des Agrarnachwuchses und den ungebrochenen Mut zur Zukunft seitens vieler deutscher Landwirte hin, teilte die DLG mit. Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft sei in erster Linie der Unternehmer selbst. "Wer sich selbst vertraut, scheut den Wettbewerb nicht," so der DLG-Präsident. "Allerdings muss das Unternehmertum in Deutschland viel stärker forciert und darf nicht behindert werden!", betonte der DLG-Präsident.

Die europäische Landwirtschaft stehe mitten im Umbruch. Bussche sieht in der EU-Erweiterung mit ihrem neuen größeren Markt ab dem 1. Mai zusätzliche Herausforderungen und vor allem neue Chancen. Landwirte und Unternehmen der Agrarwirtschaft stünden jetzt vor entscheidenden Weichenstellungen. Der DLG-Präsident ist davon überzeugt, dass gerade diese Zeiten des Wandels und des Umbruchs auch Unternehmerzeiten sind. Die Holperstrecken der vergangenen Jahre mit ungünstiger Witterung und gedrückten Märkten stellten für ihn keine Einbahnstraßen dar. Der für die Feldbestellung vorzügliche letzte Herbst, die von Zuversicht geprägte Stimmung auf den pflanzlichen Märkten mit Preissteigerungen bis zu 30 Prozent und die mit einem Vernunft-Potenzial ausgestatteten agrarpolitischen Entscheidungen des vergangenen Sommers, die allerdings jetzt zukunftsorientiert umgesetzt werden müssten, seien positive Zeichen.

Auch für die Tierhalter, die seit einiger Zeit mit niedrigsten Preisen für ihre Produkte leben müssen, sieht der DLG-Präsident wieder Licht am Ende des Tunnels. Die Konjunkturdaten würden weltweit nach oben zeigen, und Wirtschaftswachstum bedeute auch eine steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln, insbesondere nach Fleisch. Günstig für die Rindfleischpreise könnte sich die Tatsache erweisen, dass die in Zeiten der BSE-Krise aufgebauten Interventionsbestände nahezu verschwunden sind. Auch bei Butter und Magermilch hätten die Interventionsbestände gravierend abgenommen. Die deutschen Milchviehhalter stünden vor besonderen Herausforderungen. Die tendenziell weiter sinkenden Garantiepreise bei Beihaltung der Mengenbegrenzung durch die Quote würden die Situation auf den Betrieben verschärfen. Größere Betriebe können seiner Meinung nach insbesondere durch Gebäudeerweiterungen und moderne Technik weitere Wachstumsschritte vornehmen. (ED)

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