Report Agritechnica

Agrartechnik ist Kernkompetenz in Köln

Christian Seelmann: „Wir warten nicht ab, bis der Markt uns überrollt.“
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Christian Seelmann: „Wir warten nicht ab, bis der Markt uns überrollt.“

„Wir haben in den vergangenen zehn Jahren ein enormes Wachstum in der Agrartechnik hingelegt und die Umsätze in diesem Zeitraum verdoppelt“, zieht Christian Seelmann, Leiter des Geschäftsfelds Technik, Bilanz. In diesem Jahr sollen es etwa 270 Mio. € werden, ergänzt Seelmann. Das Wachstum war nur durch die umfangreiche Modernisierung der Technikbetriebe möglich, in die der Konzern im Schnitt jährlich etwa 5 bis 8 Mio. € investierte.

Expansion im Stammgebiet

Die Expansion erfolgte weitgehend organisch, aber auch durch Übernahmen anderer Landmaschinenhändler. ‚Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis und nach Möglichkeit im Stammgebiet zwischen dem Niederrhein und der Pfalz sowie zwischen Mittelhessen und dem Saarland‘, lautet die Strategie der Kölner. Zurzeit unterhält die RWZ 40 Technik-Betriebsstellen, davon zwei in Luxemburg und drei im Elsass. Zum Jahresende kommen zwei weitere Standorte im Elsass hinzu.

Die Betriebsgrößen und Investitionen richten sich nach den regionalen Gegebenheiten. Mit Modulen im Baukastensystem lassen sich die Baumaßnahmen an die speziellen Standorte anpassen. Je nach Grundfläche gibt es Hallengrößen in S- und M-Format oder – wie in Zülpich, Rommerskirchen und Saulheim – XL-Varianten mit einer Hallenfläche von 10000 m² oder mehr. Im pfälzischen Dannstadt, in einer Region mit einer hohen Schlepperkonzentration und intensivstem Sonderkultur- und Gemüseanbau, steht sogar ein XXL-Betrieb mit einer Fläche von etwa 13000 m² auf der Agenda.

In den strukturschwachen Mittelgebirgslagen fallen die Einheiten kleiner aus. Doch die Betriebe können auf personelle Unterstützung von benachbarten Einrichtungen zurückgreifen. Unter rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ließen sich kaum alle Standorte halten. „Doch als Dienstleister für die Landwirtschaft stehen wir in der Verantwortung für die Fläche und zu große Lücken könnten negativ auf das Warengeschäft abfärben“, gibt Seelmann zu bedenken. „Unser Einzugsgebiet ist äußerst heterogen, reicht vom Ackerbau bis zum Weinbau und wir müssen den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht werden“, so Seelmann.

Wo es sinnvoll erscheint, werden aber kleine Standorte zusammengelegt. Anstelle der älteren Betriebe in Worms und Flomborn wird im Frühjahr 2016 ein neuer Betrieb im Gewerbegebiet in Gundersheim eröffnen. Bisweilen gibt es aber gegenläufige Tendenzen: Der RWZ-Konzern hat in Rees am Niederrhein nach der Insolvenz eines Landmaschinenhändlers die Lücke mit einer kleinen Betriebsstelle geschlossen oder wird in Kürze in der Eifel bei Prüm wieder einen früheren Standort in Betrieb nehmen. Eine Besonderheit sind die mobilen Servicewagen, mit denen die RWZ in ihrem gesamten Einzugsgebiet die Flächenpräsenz auch bei größeren Entfernungen von den Servicestationen garantiert.

Mitarbeiter oft ausgezeichnet

Das RWZ-Technikzentrum in Flammersfeld/Westerwald wird ab Januar 2016 zentraler Standort für die Region.
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Das RWZ-Technikzentrum in Flammersfeld/Westerwald wird ab Januar 2016 zentraler Standort für die Region.
Überhaupt wird Service bei der RWZ großgeschrieben und in den vergangenen Jahren konnten die Mitarbeiter 22 Service-Award-Preise einsammeln. In der Summe beschäftigt das Unternehmen 650 Mitarbeiter im Techniksektor, davon 88 Auszubildende. „Junge Leute für die moderne Landtechnik zu begeistern, wird in den kommenden Jahren die große Herausforderung für die ganze Branche sein. Um die Fachkräfte zu halten, muss die Branche ihr Lohnniveau, aber auch ihre Stundenverrechnungssätze beim Service nach oben anpassen“, ist sich Seelmann sicher.

Beim Verkauf setzt die Hauptgenossenschaft auf eine A-Marken-Strategie und vertreibt die Maschinen und Geräte nahezu aller namhaften Hersteller. Schwerpunkte im Traktorensegment sind die Agco-Marken und Claas. Mit jährlich rund 1000 verkauften Traktoren über 60 PS kommt die RWZ in ihrem Einzugsgebiet auf einen Marktanteil von etwa einem Drittel. Bei Mähdreschern verteilen sich die etwa 70 Fabrikate auf Agco im westlichen und auf Claas im östlichen Einzugsgebiet. Etwa vier bis fünf Kartoffelroder von Grimme oder Dewulf sowie zehn bis elf Häcksler runden das jährliche Geschäft mit Großmaschinen ab. Die Hof- und Melktechnik wird von der Gea abgedeckt. Künftig will sich die RWZ aus Servicegründen auf weniger, dafür aber auf Spitzenmarken konzentrieren. Mitte der Woche teilte der Konzern mit, dass er im Arbeitsgebiet künftig Agco-Fabrikate exklusiv vertreiben wird.

Neues Prüfsiegel am Start

RWZ-Agrartechnik
 Umsatzstruktur 2014, Angaben in Mio. €
 Neumaschinen150
 Gebrauchtmaschinen25
 Ersatzteile38
 Werkstatt12
 Autohaus25,5
Quelle: RWZ
Das Geschäft mit Gebrauchtmaschinen ist eine wichtige Umsatzgröße der RWZ-Agrartechnik (siehe Übersicht). Beim Absatz orientiert sich das Unternehmen seit zwei Jahren überregional sowie international und hat hierfür einen eigenen Geschäftsführer eingestellt. Mit den Gebrauchtmaschinen-Auktionen durch die „Richie Brothers“ wurden zudem neue Absatzmärkte im schwierigen Gebrauchtmaschinen-Geschäft erschlossen. „Wir warten nicht ab, bis der Markt uns überrollt, sondern gehen ihn aktiv an; zumal sich die Hersteller aus der Verantwortung zurückgezogen haben“, so Seelmann. Hierfür wird der Standort Kruft auf 38000 m² erweitert und im kommenden Jahr entsteht dort ein schlagkräftiges Gebrauchtmaschinen- und Trainingszentrum für den Servicesektor.

Zur Agritechnica führt die RWZ für ausgesuchte Gebrauchtmaschinen ein Prüfsiegel ein, in dem wichtige technische Merkmale geprüft und garantiert werden. Auf dem Ausstellungsgelände ist die RWZ mit einer Gebrauchtmaschinen-Ecke in Halle 19/20, Stand A13 vertreten. (St)
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