Report Landtechnik

Agravis will Landwirte kompetenter beraten


Der Isaria-Sensor verfügt über permanentes LED-Licht und wird an die Fronthydraulik des Schleppers angebaut.
-- , Foto: Agravis
Der Isaria-Sensor verfügt über permanentes LED-Licht und wird an die Fronthydraulik des Schleppers angebaut.

Seit April 2015 hat die Agravis Raiffeisen AG ihre Aktivitäten beim Precision Farming in der Agravis NetFarming GmbH gebündelt. Die Ansätze in der IT-Technologie und bei Daten-Servicediensten reichen bis 2009 zurück. Seinerzeit kamen die ersten Exakt-Lenksysteme an den Markt – allerdings von Wettbewerbern des Unternehmens.

Geo-Konzept als Partner

Um eigene Lösungen für die steigende Nachfrage der Landwirtschaft anzubieten, wurde mit dem Aufbau eines Precision-Farming-Projekts begonnen. Mit der Geo-Konzept GmbH, Adelschlag, entwickelte Agravis eine Satelliten-Navigationstechnologie mit GPS-gestützten Lenksystemen und flächendeckenden Real-Time-Kinematik (RTK)-Korrekturdaten für die Land- und Forstwirtschaft. Parallel dazu arbeiteten die Agravis-Landtechniker an optimierten Lösungen und der praktikablen Umsetzung.

„Heute können wir den Landwirten ein funktionierendes Lenksystem und vernetzte Lösungen anbieten. Auf der Agritechnica im November werden wir mit einem eigenen Internetportal unterschiedliche Servicelösungen für den Pflanzenbau und neue Module vorstellen“, schaut Frank Wiedenroth, Geschäftsführer der Agravis NetFarming GmbH, voraus. Bisher hat die Gesellschaft bereits 500 Lizenzen für den RTK-Dienst vergeben: Kostenpunkt für Landwirte 800 bis 1000 € pro Lizenz und Betrieb im Jahr.

Um die Technik dem individuellen Bedarf der Landwirtschaft anzupassen, arbeiten Techniker, Pflanzenbauer und die zuständigen regionalen Händler eng zusammen. Vor allem die pflanzenbauliche Begleitung ist ein wichtiger Bestandteil des gesamten Systems. „Im Precision Farming steckt viel Know-how drin. Das ist im Allgemeinen recht kompliziert und durch die unterschiedlichen Schnittstellen zum Teil auch anfällig für Störungen“, räumt Wiedenroth ein. Das Kernproblem für die Anwenderfreundlichkeit seien die großen Datenmengen, die aufbereitet werden müssten, um sie als Informationsquelle nutzen zu können, weiß der Technikexperte.

iXmap offen für Dritte

Die Auswertung und Koordination der vorhandenen Daten, der GPS-Informationen und die Umsetzung in die eigene Systemsoftware ist Aufgabe des Joint Ventures „iXmap Services GmbH & Co. KG“ von Agravis und Geo-Konzept. Die Technologie von iXmap ist für andere Teilnehmer offen, die ihre eigenen Datenplattformen und firmenspezifischen Belange einbringen und ihren landwirtschaftlichen Kunden anbieten können.

Ein zweiter wesentlicher Ansatz von NetFarming war die Einführung des Isaria-Sensors der Fritzmeier Umwelttechnik GmbH, den die Hauptgenossenschaft zwei Jahre in ihrem Einzugsgebiet testete und nun exklusiv vertreibt. Im Gegensatz zu anderen Systemen wird er an die Fronthydraulik des Traktors angebaut, ist aufgrund eines permanenten LED-Lichts an den Sensorköpfen unabhängig vom Umgebungslicht und lässt sich dadurch rund um die Uhr einsetzen. Mit seinen individuellen Einstellungsmöglichkeiten eignet er sich für die exakte Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln wie auch Wachstumsreglern gleichermaßen.

„Einer unserer zentralen pflanzenbaulichen Ansätze ist die Management-Zonenkarte, die aus mehrjährigen Satellitenbildern erstellt wird. Eine einfache Ertragskarte ist nur bedingt aussagefähig und berücksichtigt häufig nicht die Besonderheiten des Bodens und der Teilflächen. Je mehr Daten das System bekommt, umso besser lässt sich der Pflanzenbau optimieren und intensivieren“, beschreibt Christian Carl, Pflanzenbauberater der Agravis, pflanzenbauliche Aspekte. Da der Sensor den Nährstoffbedarf der Pflanze über die Reflexion des Bestandes ermittelt und die Düngermengen danach steuert, werden in den Standardeinstellungen teilflächenspezifische Bodengegebenheiten wie zum Beispiel Sandkuppen oder Wasserspeichervermögen nicht explizit berücksichtigt. Eine exaktere Erfassung des Ertragspotenzials wird durch die Management-Zonenkarte aus den iXmap-Satellitenbildern sichergestellt. Dabei können die Ertragskartierung vom Mähdrescher, Werte aus der digitalisierten Reichsbodenschätzung, Bodenproben oder Auswertungen der Ackerschlagkartei einbezogen werden. „Sind diese Daten dem Sensor hinterlegt, können die jeweiligen Bodeneigenschaften berücksichtigt und die Ausbringungsmengen je nach Ertragspotenzial angepasst werden", so Wiedenroth. Für Weizen lassen sich je nach EC-Stadium und Ertragserwartungen zusätzliche Feineinstellungen mit einem speziell auf die Kultur abgestimmten Modul vornehmen. Ein Modul für Raps und Gerste befindet sich derzeit in der Entwicklung.


Geschäftsführer Frank Wiedenroth: „Ein Modul für Raps und Gerste befindet sich derzeit in der Entwicklung.“
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Geschäftsführer Frank Wiedenroth: „Ein Modul für Raps und Gerste befindet sich derzeit in der Entwicklung.“

Hilfestellung vor Ort

Den Landwirten soll das Gesamtsystem die Arbeit erheblich vereinfachen. Die Karte kann als Basisinformation über das Internetportal Agravis NetFarming abgerufen und auf den Sensor übertragen werden. „Für notwendige Anpassungen bieten unsere Pflanzenbauberater, die im Agravis-Gebiet auf eigene Versuche zurückgreifen können, Hilfestellung an“, erläutert Wiedenroth.

In diesem Jahr hat Fritzmeier dem Sensor ein neues Tablet spendiert und über eine Sim-Karte oder via WLAN-Verbindung lassen sich nun die Einstellungen des Sensors per Fernwartung überprüfen. Die Daten der iXmap, Kartenmaterial, die Verwaltung der Ackerschläge oder Arbeitsaufträge können zudem online auf das Terminal übertragen oder abgerufen werden. Mit rund 30000 € ist der Isaria-Sensor nicht ganz billig. Doch bei sehr heterogenen Böden und einem standortangepassten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln rechnet er sich nach Ansicht des Beraters nicht nur für Großbetriebe, sondern schon bei mittlerer Flächenausstattung. (St)
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