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Die derzeit praktizierte Agrarpolitik wirkt hemmend auf den Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft. Staatliche Zahlungen, die an den Faktor Boden und die Produktion von Gütern gebunden sind, bewirken Anreize, um in der Produktion zu verbleiben, erläuterte Prof. Alfons Balmann vom Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), Halle, heute während der Messe Agritechnica in Hannover. Dies verlangsame den Strukturwandel. Vielversprechender sei der Ansatz, Subventionen unabhängig davon zu gewähren, ob eine Produktion stattfindet oder nicht. Ein derartiges Vorgehen liefere eher Anreize, die Erzeugung zu beenden und beschleunige den Strukturwandel.

Derzeit schieden jährlich etwa 3 Prozent der Betriebe aus der Produktion aus. Dabei handele es sich vorwiegend um kleine Unternehmen, die im Zuge des Generationswechsels aufgegeben werden und deren Einfluss auf strukturelle Veränderungen vernachlässigbar sei, sagte Balmann. Zudem profitierten zunehmend die Faktoreigentümer von den staatlichen Geldern und weniger die Landwirte. Auch schaffe die derzeitige Politik wirtschaftliche Anreize, Grünland zu pachten. Diese Situation führe dazu, dass erweiterungswillige Landwirte durch hohe Pachtpreise benachteiligt würden. Als zukunftsfähigen Weg rät Balmann den Landwirten, den sich durch die Politik bietenden Reizen zu widerstehen. Die Landwirte sollten vielmehr versuchen, den Strukturwandel zu verstehen, bestehende Strukturdefizite zu erkennen und daraus Möglichkeiten für den eigenen Betrieb abzuleiten und zu nutzen. Als Beispiele führte Balmann die Erschließung neuer Märkte wie den Anbau nachwachsender Rohstoffe an, aber auch die Chance, Partner in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette zu gewinnen. (Wo)

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