Nachwuchsgewinnung

„Aktuelle Führungsmodelle passen nicht mehr“

Vielfalt ist das Gegenteil von Einfalt: In den Untersuchungen des Personalmanagementprofessors Christian Scholz aus Saarbrücken zur Denkweise der heutigen Jugend scheint die Einfalt vorzuherrschen.

Vor allem die Leistungsbereitschaft fehle den nach 1990 Geborenen, die auch als Generation Z bezeichnet werden. Im Vergleich zu den vorhergehenden Generationen sei Harmonie und Wohlfühlatmosphäre am Arbeitsplatz wichtig. Das Interesse an der Unterscheidung gegenüber anderen, an Wettbewerb, an der Übernahme von Verantwortung sei hingegen nur gering ausgeprägt. Diese Untersuchungsergebnisse stellte Scholz heute im Rahmen der zweitägigen Agribusiness-Tagung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) und der Akademie der Genossenschaften (ADG) auf Schloss Montabaur vor und traf nicht immer auf Zustimmung. Auch bei den heute 20-Jährigen gäbe es leistungsbereite Menschen, so einer der Einwände. Auch solle man die Vergütung als Motivationsfaktor nicht unterschätzen, so ein weiterer.

Im Vergleich zu den älteren Generationen seien die erwähnten Eigenschaften stärker ausgeprägt, betont Scholz. Die Frage, die sich daraus für Mitarbeiter suchende Unternehmen ergibt, ist, wie sich das Personalmanagement dementsprechend gestalten lässt. „Wenn wir mit denen arbeiten wollen, ist die Frage, ob nicht andere Denk- und Führungsmuster angewendet werden müssen“, so Scholz.

Viele Instrumente des Personalwesens seien für leistungsbereite Mitarbeiter konzipiert. So solle man mehr von Projektarbeit und weniger von Führungsaufgabe sprechen. Auch die permanente berufliche Erreichbarkeit käme bei den „Z-lern“ nicht gut an. Es gebe Stimmen, die forderten, den Email-Server auch einmal abzustellen. Vielleicht sollten Unternehmen nicht alle Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, ausschöpfen, regt Scholz an.

Die Themen Unternehmen 4.0 und Digitalisierung stehen morgen auf der Agenda der Agribusiness-Tagung. (kbo)
stats