Antibiotika

Alle Geflügelställe haben resistente Keime

Am stärksten betroffen von Resistenzen ist die Geflügelhaltung. In allen im Rahmen der Verbundprojekte RESET und MedVet-Staph untersuchten Geflügelbetriebe konnten Bakterien nachgewiesen werden, die gegen die wichtige Antibiotika-Klasse der Cephalosporine immun sind. Das gab gestern das BfR bekannt. Die resistenten Bakterien waren auch sehr häufig in allen anderen wichtigen Nutztiersektoren zu finden: In 85 Prozent der untersuchten Schweine- und Milchviehbetriebe sowie in 70 Prozent der Rindermastbetriebe. Dies haben die seit 2010 laufenden Untersuchungen ergeben. 

Verbreitung auf der Spur
Die Verbundprojekte RESET und MedVet-Staph gibt es seit 2010. Sie untersuchen die Entwicklung, Verbreitung und auch die Mechanismen der Resistenz gegenüber bestimmten Antibiotika bei Escherichia coli und Staphylococcus aureus bei Mensch und Tier. 

Im Verbund RESET werden Resistenzen gegen die besonders wichtigen Antibiotika-Klassen der Cephalosporine und (Fluor)Chinolone bei Darmbakterien wie Escherichia (E.) coli erforscht.


Der Verbund MedVet-Staph widmet sich der Bedeutung der Übertragung antibiotikaresistenter Staphylokokken einschließlich der Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA) zwischen Tier und Mensch.

Mit Hilfe von Enzymen können die resistenten Bakterien die Cephalosporine zerstören. Diese Fähigkeit können sie an andere Bakterien weitergeben. Erstmalig wurden auch E. coli und Salmonella bei Nutztieren gefunden, die zusätzlich Carbapeneme zerstören. Diese Antibiotika werden in Krankenhäusern eingesetzt, um Infektionen mit multiresistenten Bakterien zu behandeln. 

Vielfältige Ursachen

„Antibiotikaresistente Bakterien stellen eine komplexe Herausforderung dar", sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. Denn nicht immer ist die Gabe von Antibiotika verantwortlich für das Auftreten resistenter Bakterien. Die Bakterien mit den zerstörerischen Enzymen treten beispielsweise auch bei Masthähnchen auf, die nicht mit Antibiotika in Kontakt gekommen sind. Laut BfR ist derzeit nicht möglich, die Bedeutung der Nutztiere für die Besiedelung und Infektion des Menschen mit resistenten Bakterien genau abzuschätzen.

Vielfältige Übertragungswege

Allerdings erklärt der Koordinator der Verbundprojekte, PD Dr. med. Robin Köck von der Universität Münster, dass besonders der unmittelbare Kontakt zu MRSA-tragenden Nutztieren, wie er bei Landwirten oder Tierärzten besteht, ein hohes Risiko für die Übertragungen darstellt. "In der Schweinehaltung tragen mehr als 80 Prozent der Landwirte den Keim", so Köck. In einzelnen Regionen mit intensiver Nutztierhaltung wie im Norden Nordrhein-Westfalens sind diese Bakterien für mehr als 10 Prozent der schweren MRSA-Infektionen bei Menschen verantwortlich. 

Allerdings können nicht alle Nachweise beim Menschen auf den direkten Kontakt mit positiven Tieren zurückgeführt werden. In ländlichen Regionen hatten 38 Prozent der Menschen, die mit nutztierassoziierten MRSA-Typen besiedelt waren, keinen direkten Kontakt zu Nutztieren. Es ist daher davon auszugehen, dass die Bakterien auch über andere Wege (z. B. von Mensch zu Mensch) weitergegeben werden, heißt es beim BfR.

Anteil der immunen Keime wächst

Beim Menschen sind allerdings weitere Resistenzen zunehmend nachweisbar. In Krankenhäusern wuchs der Anteil der Infektionen mit ESBL-positiven E. coli und Klebsiellen innerhalb von sechs Jahren von knapp 12 auf 15,4 Prozent. Bakterien mit Enzymabwehr gegen die antibiotische Wirkung (ESBL-E. coli) wurden bei 6,3 Prozent der Landwirte mit Schweinehaltung festgestellt. Das ist identisch mit dem gefundenen Anteil in der gesunden Allgemeinbevölkerung. (kbo)









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