Neben der Geschlechtsbestimmung im Ei und der Mast von Bruderhähnen stellt die Zucht von Zwei-Nutzungsrassen eine Alternative zum Töten männlicher Eintagsküken aus Legelinien dar. Vor einigen Jahren stand lediglich die Leistungssteigerung der Rassen im Mittelpunkt, erklärt Joachim Hauck, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg. Mittlerweile liege der Fokus jedoch auf der Prozessqualität, wodurch dem Herstellungsprozess von tierischen Produkten eine herausragende Bedeutung zukomme. Nichtzuletzt weil gesellschaftliche Debatten diesen Prozess um mehr Tierwohl beschleunigt haben.

Aufzucht dauert länger

An Alternativen zum Kükentöten mangelt es nicht. Dennoch fallen ökonomische Bewertungen der Aufzucht von Zweinutzungsrassen verglichen mit anderen Genotypen schlecht aus, wie Dr. Klaus Damme, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Kitzingen und Prof. Eggert Schmidt, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf vorrechnen. Zwar seien die männlichen Tiere mastfähig, sie brauchen allerdings zwei bis drei Wochen länger bis zur Schlachtreife. Hinzu komme, dass sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere 20 Prozent mehr Futterenergie pro kg Körpergewicht bzw. Eimasse verbrauchen. Außerdem fehlen dem Erzeuger am Ende 25 Prozent Eimasse, weil die Eier kleiner sind.

Zweinutzungshühner züchten

Nichtsdestotrotz sind sich die Teilnehmer einig, dass die Vermarktung entsprechender Aufzucht-Alternativen zumindest Nischen erobern kann. Initiativen wie die Ökologische Tierzucht GmbH, die vor rund einem Jahr gegründet wurde, setzen sich sogar das Ziel, eigene Zweinutzungshühner zu züchten. Diese sollen bereits unter ökologischen Haltungsstandards aufwachsen und für ökologisch wirtschaftende Betriebe eine Alternative für den Einkauf darstellen. Denn bisher sind sie dafür weitestgehend auf die etablierten Zuchtunternehmen angewiesen. (has)
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