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Erneuerbare Energien mit mehr Chancen - Marktanreizprogramm noch verbesserungsbedürftig

4. März 2000; Gisela Haas, Korrespondentin der Agrarzeitung Ernährungsdienst, Berlin

Mit der Verabschiedung des "Erneuerbare-Energien-Gesetz" (EEG) Ende vergangener Woche vom Deutschen Bundestag wurden das bisherige Stromeinspeisungsgesetz ersetzt und bessere Rahmenbedingungen für die Erzeugung von Strom in landwirtschaftlichen Unternehmen geschaffen. Zugleich soll damit laut Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke die Multifunktionalität der Landwirtschaft und ihre Rolle als Lieferant umweltfreundlicher Energie unterstrichen werden. Dr. Gerhard Rech, Leiter des Referates Nachwachsende Rohstoffe und Energie im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bonn, beantwortete der Agrarzeitung Ernährungsdienst Fragen zu den sich abzeichnenden Auswirkungen des EEG.

ED: Welche Regelungen im EEG sind für die Landwirtschaft von Bedeutung ?

Rech: Für die Landwirtschaft ist die Regelung zu den Einspeisevergütungen für Strom aus Biomasse von besonderer Bedeutung.

ED: Welche Energieträger werden von der Landwirtschaft zukünftig (verstärkt) wirtschaftlich genutzt werden können ?

Rech: Durch das neue EEG wird voraussichtlich die Stromerzeugung aus Biogas in landwirtschaftlichen Betrieben deutlich zunehmen. Als Energieträger kommen hier vor allem Gülle zusammen mit Reststoffen der Land- und Ernährungswirtschaft in Frage.
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat in diesem Jahr die Möglichkeit geschaffen, dass auch auf Stilllegungsflächen produzierte Energieträger wie beispielsweise Mais in der hofeigenen Biogasanlage als Gärsubstrat eingesetzt werden können, ohne dass die Stilllegungsprämie verloren geht. Die Zulassung weiterer Energieträger wie zum Beispiel Futterrüben ist in Vorbereitung.

ED: Welche Preise werden von wem bezahlt werden ?

Rech: Die Einspeisevergütung für Strom aus Biomasse beträgt für Anlagen mit einer Leistung bis 500 kW 20 Pf/kWh, bei Anlagen über 500 kW bis 5 Megawatt (MW) beträgt die Vergütung 18 Pf/kWh und darüber bis zu maximal 20 MW 17 Pf/kWh. Gezahlt werden müssen die Vergütungen von den Netzbetreibern.

ED: In welchem Umfang produziert die Landwirtschaft Strom aus erneuerbaren Energien bisher ?

Rech: Schätzungsweise dürften 1999 etwa 1 Milliarde Kilowattstunden Strom aus Biomasse in das Deutsche Stromnetz im Rahmen des Stromeinspeisungsgesetzes eingespeist worden sein. Dies entspricht etwa 0,2 Prozent des deutschen Stromverbrauchs.
Der überwiegende Teil dürfte aus land- und forstwirtschaftlichen Betrieben stammen. Hinzu kommt der Strom aus Windkraftanlagen, die von Landwirten betrieben werden. Genaue Zahlen über die Einspeisemenge von Windkraftstrom aus der Landwirtschaft liegen leider nicht vor.

ED: Mit welchen Steigerungsraten rechnen Sie in Deutschland ?

Rech: Durch das neue EEG wird es zu einem deutlichen Anstieg der Stromeinspeisemenge durch die Landwirtschaft kommen. Ich rechne damit, dass sie sich in den nächsten 5 Jahren mehr als verdoppelt.
Entscheidend für die Steigerungsrate sind aber auch die künftigen Förderkonditionen für Investitionen in Biomassestromerzeugungsanlagen im Rahmen des Marktanreizprogramms "Erneuerbare Energien", die meiner Meinung nach noch verbessert werden müssen.

ED: Welche landwirtschaftlichen Unternehmen sind für die Stromproduktion prädestiniert ?

Rech: Dies sind vor allem viehhaltende landwirtschaftliche Betriebe mit einer hohen Tierbesatzdichte. Für diese Betriebe wird es neben den Erlösen aus der Stromeinspeisung künftig auch aus Umweltgründen immer interessanter werden, Biogas zu erzeugen. Hierdurch kann die Gülle sehr gut umweltfreundlich verwertet werden.
Die Verstromung fester Biomasse durch Biomassekraftwerke - zum Beispiel durch Holzverbrennung - erfordert in der Regel Anlagen im Megawatt-Leistungsbereich und damit hohe Investitionen. Diese können nur in Ausnahmefällen von einzelnen landwirtschaftlichen Unternehmen getragen werden. Hier besteht jedoch die Möglichkeit, sich zu Betreibergesellschaften zusammenzuschließen.

ED: Wie steigt ein landwirtschaftliches Unternehmen zweckmäßigerweise in die Stromproduktion ein ?

Rech: Das Wichtigste ist eine gute Beratung. Mit deren Hilfe müssen zunächst die Wirtschaftlichkeit, die Finanzierung, die Rohstoffverfügbarkeit sowie die technischen und rechtlichen Möglichkeiten vor einer Investition geprüft werden. Bei den regionalen Landwirtschaftsinstitutionen wie zum Beispiel die Landwirtschaftskammern gibt es inzwischen entsprechende Fachkräfte. Aber auch der Biogasverband leistet hier gute Beratungsarbeit. Seitens des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde vor kurzem das Biomasseinfozentrum, abgekürzt BIZ, in Stuttgart eingerichtet, das mit allgemeinen Informationen weiterhelfen kann. Für die Realisierung einer Investition bieten sich Planungs- und Ingenieurbüros an.

ED: Wodurch werden sich in der Praxis Grenzen ergeben ?

Rech: Natürliche Grenzen in der Praxis ergeben sich bei der Biomasse durch die Rohstoffverfügbarkeit oder bei Windkraft durch die geographische Lage. Die wichtigste Grenze setzt die Wirtschaftlichkeit, die nur bei günstig gelagerten Randbedingungen gegeben ist. Auch wenn die Vergütungssätze des neuen EEG zu einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit führen, erfordern auch künftig viele Anlagen noch reichlich Idealismus und einen beträchtlichen Anteil an Eigenleistungen, um dadurch am Markt bestehen zu können.



Förderung des BMWi

Seit dem 1. September 1999 stehen in Deutschland jährlich 200 Mio. DM zur Finanzierung des Marktanreizprogrammes des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zur Verfügung. Nach Mitteilung der Bundesinitiative Bioenergie, Bonn, sind für die Förderung der Biomasse 35 Prozent der Gesamtsumme vorgesehen, das heißt jährlich 70 Mio. DM. Das Programm hat zunächst bis 2002 Gültigkeit. Gefördert werden unter anderem Biomasseanlagen und Biogasanlagen. Unter der Förderung von Anlagen zur Verfeuerung fester Biomasse sind Holzfeuerungsanlagen in jeglicher Form (zum Beispiel Stückholz, Hackschnitzel oder Pellets) zu verstehen.

Es kommen jedoch auch andere Einsatzstoffe in Frage (Stroh oder verschiedene Pflanzen). Für die Verwertung fester Biomasse steht eine breite Palette von Anlagen zur Verfügung: Von der Zentralheizungsanlage für ein Einfamilienhaus bis hin zu Großanlagen, in denen Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt werden. Das BMWi fördert umweltgerechte Biomasseanlagen entsprechend der installierten Leistung. Kleine Zentralheizungsanlagen ohne automatische Brennstoffzufuhr erhalten bis 80 DM pro kW. Mit automatischer Brennstoffzufuhr werden bis 120 DM pro kW gezahlt. Für Großanlagen ab 100 kW werden 120 DM pro kW bei ausschließlicher Wärmeerzeugung und 360 DM pro kW zusätzlich bei kombinierter Strom- und Wärmeerzeugung bezahlt. Als Förderhöchstbetrag gilt 1,5 Mio. DM. Bei der Förderung von Biogasanlagen soll entweder nur Strom oder, zum Beispiel in einem Blockheizkraftwerk, Strom und Wärme gleichzeitig gewonnen werden. Das BMWi fördert Biogasanlagen, die hohen technischen und Umweltanforderungen genügen, je nach Größe mit Beträgen zwischen 38.000 und 300.000 DM. GH

Weitere Informationen zum Thema Bioenergie:

- Bundesinitiative Bioenergie, Godesberger Allee 90, 53175 Bonn, Tel. 0228/959560

- BIZ bei der Universität Stuttgart, Dr. Kaltschmitt, Meßsühlstr. 49, 70565 Stuttgart, Tel.: 0711/7806116

- Fachverband Biogas e.V. Geschäftsstelle, 74592 Kirchberg/Jagst Tel. 07954/1270
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