Report Biogas-Substrate

Anlagenbetreiber wollen bald Klarheit

Perspektive gesucht: Neben dem Substrat im Silo muss auch die Finanzierung stimmen.
-- , Krieg & Fischer Ingenieure GmbH
Perspektive gesucht: Neben dem Substrat im Silo muss auch die Finanzierung stimmen.

Von dem Ziel des EEG 2014, die Förderung erneuerbarer Energien schlicht auf kostengünstige Technologien zu konzentrieren, will das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) auch mit dem EEG 2016 nicht abweichen. Im Ausschreibungsverfahren sollen jeweils die günstigsten Anbieter gefunden werden. Biomasse gilt als Preistreiber für die EEG-Umlage. Darum konzentriert sich das Ministerium auf Wind- und Sonnenenergie. Hierzu laufen bereits Pilotausschreibungen nach dem EEG 2016. Das Gesetz soll im Frühjahr stehen und im Juli verabschiedet werden.

Die Zeit drängt also, Perspektiven für Biogasbetriebe zu schaffen. Die Förderung von Neuanlagen, abgesehen von kleinen Gülleanlagen, lehnt das BMWi kategorisch ab. Schon in den wissenschaftlichen Empfehlungen der Berater kommt Biomasse im Spektrum der erneuerbaren Energien nicht vor. Für Neuanlagen müsste das Förderniveau wieder angehoben werden auf die Höhe von vor dem EEG 2014, argumentiert das Ministerium.

Preiwerter Strom lockt

Immerhin haben die Bioenergieverbände und der deutsche Bauernverband das Interesse des Ministeriums an einem Weiterbetrieb der Altanlagen geweckt. Eine Anschlussförderung bereits bestehender Altanlagen sei zu wesentlich niedrigeren Kosten machbar, weil die Altanlagen abgeschrieben sind, argumentieren sie. An effizienten und kostengünstigen Lieferungen von Energie ist das Ministerium interessiert. Nun wird offenbar noch über die Bedingungen gefeilscht, nach denen eine Ausschreibung für Energie aus Biomasse erfolgen soll.

Die Warnung der Verbände ist im Ministerium offenbar angekommen, dass viele Anlagen aus der Pionierphase bereits in nächster Zeit ihren Betrieb einstellen könnten, wenn die weitere Förderung ungeklärt bleibt. Denn bereits heute müssten Ersatzinvestitionen erfolgen, die über die sichere Förderphase hinaus abgeschrieben werden müssen. Hinzu kommen weitere Auflagen für Sicherheit und Umweltschutz, die Investitionen erfordern. Für den Gewässerschutz beispielsweise müssen in den nächsten Jahren Umwallungen gezogen werden, um auslaufende Fermenterflüssigkeit aufzufangen.

Die Biogasverbände haben die mittlerweile nennenswerte Stromlieferung aus Biogas im Köcher ihrer Argumente. Zudem spricht die Flexibilität für diese Technologie. Denn im Strommix mit Sonne und Wind ist Biogas die perfekte Ergänzung. Das haben die Parteien im Bundestag fast durchweg erkannt, wie eine Umfrage der agrarzeitung (az) zeigt. Für die CDU/CSU ist Biomasse ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Die einseitig vorangetriebene Fokussierung der Energieversorgung auf Sonnen- und Windenergie sei nicht zielführend. Vielmehr braucht Deutschland aus Sicht der CDU/CSU eine möglichst breite Diversifizierung auch bei den erneuerbaren Energieträgern. Die Regierungspartei kritisiert die Entwürfe aus dem Ministerium unverhohlen: „Gängige Kostenvergleiche zwischen Biomasse und anderen erneuerbaren Energien, insbesondere Wind und Sonne, sind durchaus zu hinterfragen.“ So ist Strom aus Biomasse im EEG-Kostenvergleich zwar teurer als Onshore-Windstrom. Schon beim Vergleich mit der Fotovoltaik falle dieser Kostennachteil aber nicht mehr so stark ins Gewicht. Weitere Zusatzkosten von fluktuierenden Stromquellen seien nicht berücksichtigt, so die Kritik.

Eva Bulling-Schröter, Sprecherin für Energie und Klima von den Linken, ist der Ansicht, dass Biogasanlagen Regelenergie als Systemdienstleistung bereit stellen können. Darum soll ihrer Ansicht nach ein künftiger Rechtsrahmen auf einer gründlichen Auswertung der Erfahrungen mit der Markt- und Flexibilitätsprämie aufbauen. Der von der Bundesregierung für Biogas vorgegebene Ausbaukorridor von 100 MW im EEG 2014 ist ihr zu eng. Statt den Zubau der Biogasanlagen massiv zu beschränken, will die Linke alternative Substrate zum Betrieb der Anlagen fördern.

Grüne wollen Wärme nutzen

Dieter Janecek von den Grünen ist mit grundsätzlichen Grenzen für die Entwicklung von Biogas zwar grundsätzlich einverstanden, meint aber, die Große Koalition sei im vorigen Jahr weit übers Ziel hinausgeschossen: „Ein Kahlschlag in vielen Bereichen war die Folge.“ Janecek möchte Anreize für bedarfsgerechte Stromerzeugung setzen, auch um die Technologieentwicklung voranzutreiben. Außerdem soll seiner Ansicht nach die Wärmenutzung aus Biogasanlagen stärker forciert werden. Interessanterweise konnte die SPD, Partei des Wirtschaftsministers, nicht mit einer Stellungnahme zu Biogas aufwarten. (brs)
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