Ansturm auf russisches Interventionsgetreide


Die Situation in Russland bleibt angespannt. Die Exportprognosen gehen nach unten. Freigaben aus der Intervention gestalten sich komplex. Nach Einschätzung des Verbandes Russian Grain Union werden die russischen Getreideexporte 2010/11 von 21,4 Mio. t im Vorjahr auf 14 bis 15 Mio. t fallen. Als „worst case" schließt der sonst eher optimistische Verband jedoch auch einen Rückgang auf 11 Mio. t nicht aus, berichtet die Moscow Times. Denn es stehen wohl noch Rücknahmen der Ernteprognosen an. Die Meteorologen sagen für die kommenden Wochen eine Fortdauer der Hitzeperiode mit Tagestemperaturen von um die 40°C voraus.

Die Tierhalter, denen das Futter ausgeht, hoffen auf Interventionsgetreide, das von der staatlichen United Grain Company bereitgestellt werden soll. Die Freigabe, die ursprünglich am morgigen Mittwoch starten sollte, könnte sich wegen des großen Ansturms verzögern. Die Moscow Times berichtet, dass die Getreidegesellschaft noch weitere Angebote abwarten will. In der Vorwoche sollen bereits Anträge von mehr als 100 Unternehmen vorgelegen haben.

Die privaten Analysten von Sovecon schätzen, dass die russischen Tierhalter Bedarf für insgesamt 9 Mio. t Getreide anmelden werden. Bisher plant die Regierung nur eine Freigabe von 3 Mio. t. Wegen der großen Nachfrage muss offenbar der Mechanismus der Freigabe angepasst werden. Am Freitag hatte ein hochrangiger Vertreter der Regierung angekündigt, dass es statt einer Ausschreibung Quoten geben könnte. Sie würden den Regionen mit Getreidebedarf zugeteilt.

Mittlerweile nimmt offenbar auch die Heuschreckenplage zu. In den russischen Getreideanbauregionen, die an Kasachstan grenzen, sind mehr Schadinsekten als üblich registriert worden. Befallen sind nach offiziellen Angaben des Moskauer Agrarministeriums eine Fläche von zusammen 1,8 Mio ha, berichtet die Agentur AKP-Inform. Dies ist doppelt so viel wie in anderen Jahren. (db)
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