Medikamente

Antibiotika als Mastbeschleuniger

Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) versucht, den weltweiten Antibiotikaeinsatz zu erfassen. Das Internetportal wir-sind-tierarzt.de hat die wichtigsten Erkenntnisse anaylsiert.

Was landet im Trog? Zu oft noch Antibiotika, kritisieren Tierärzte.
-- , Foto: VGMeril/Pixelio
Was landet im Trog? Zu oft noch Antibiotika, kritisieren Tierärzte.
Dieser erste Bericht der OIE zum Einsatz von Antibiotika bei Tieren gibt einen Überblick, welche Wirkstoffe bei Tieren in welcher Region der Welt eingesetzt werden. Er enthält zwar keine Mengenangaben. Aber er gibt einen Überblick, welche Wirkstoffe am häufigsten eingesetzt werden. Dabei geht es um die zentrale Frage, welche Staaten Antibiotika noch als Leistungsförderer in der Tiermast erlauben. In Deutschland und in der EU ist dies seit 2006 verboten. Weltweit sind es laut Bericht aber immer noch 34 Staaten, die das zulassen. Diese Ergebnisse sind allerdings mit Einschränkungen zu lesen. Denn nur 130 der 180 OIE-Mitgliedstaaten haben überhaupt auf die Frage nach Leistungsförderern geantwortet.



In Amerika und Asien kommen die meisten legalen (blau) Wachstumsbeschleuniger zum Einsatz. In anderen Ländern aber auch nicht erlaubte (rot) Wirkstoffe.
-- , Foto: OIE
In Amerika und Asien kommen die meisten legalen (blau) Wachstumsbeschleuniger zum Einsatz. In anderen Ländern aber auch nicht erlaubte (rot) Wirkstoffe.

Etwas weniger Staaten setzen Leistungsförderer ein

Im Vergleich zum Jahr 2012 deuten die Zahlen auf eine Verbesserung hin. 2012 hatten 77 Länder antibiotische Leistungsförderer verboten. 2015 sind es laut OIE 96. Bedenklich sei die Lage immer noch im Hinblick auf die eingesetzen Wirkstoffe, ist auf wir-sind-tierarzt.de zu lesen. Denn in zahlreichen Ländern, die detailliertere Auskünfte über die genutzten Antibiotikagruppen gegeben hatten, seien auch Reserveantibiotika dabei gewesen. In zehn der 25 antwortenden Ländern sei auch das Polypeptidantibiotikum Colistin noch zur Leistungsförderung in der Nutztierhaltung zugelassen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber stufe diesen Wirkstoff inzwischen explizit als „Reserveantibiotikum“ für Notfälle in der Humanmedizin ein, heißt es bei wir-sind-tierarzt.de. 


Das Portal bemängelt auch vor diesem Hintergrund, dass immer noch keine konkreten Mengenangaben für die Verwenung von Antibiotika in der Tierhaltung erhoben werden. Es erlaubten immer noch viel zu viele Staaten den Missbrauch von Antibiotika als Leistungsförderer in der Tiermast. Außerdem setze die Tiermedizin weltweit in erster Linie immer noch die eher alten Antibiotika ein. Es sei daher weder für die Resistenzentwicklung noch den Tierschutz zielführend, die Nutztierhaltung aus Europa heraus in andere Teile der Welt zu verlagern, so das Fazit von wir-sind-tierarzt.de. (mrs)
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