Initiative Tierwohl

Auch ProVieh steigt aus

Die Tierschutzverbände ziehen sich nun komplett aus der vom Lebensmittelhandel finanzierten Initiative Tierwohl zurück. „Unser Vorstand hat am Freitag beschlossen, dass wir mit sofortiger Wirkung aus dem Beraterausschuss der Initiative austreten“, sagte ProVieh-Fachreferentin Angela Dinter der taz.die tageszeitung. Anlass seien die von Tierrechtlern aufgenommenen Videos von miserablen Haltungsbedingungen in Ställen, die die Initiative zertifiziert hat.

„Kriterien sind zu anspruchslos“

Der Deutsche Tierschutzbund hatte bereits Mitte September seinen Ausstieg erklärt. Auch er wollte die Initiative nicht mehr mit seinem Namen legitimieren. Wie zuvor der Tierschutzbund begründete auch Provieh seinen Ausstieg damit, dass die Kriterien der Initiative für die Tierhalter zu anspruchslos seien. „Nachdem der Tierschutzbund ausgestiegen war, haben wir noch einmal effektivere Pflichtkriterien verlangt. Wir haben auch mit unserem Ausstieg gedroht. Aber da ist rein gar nichts passiert“, so Dinter. Die Vorschläge des Beraterausschusses sind unverbindlich, die Entscheidungen treffen die Gesellschafter der Initiative.

Kein ständiger Zugang zu Raufutter

Vor allem kritisiert ProVieh, dass die Landwirte das Kriterium „Ständiger Zugang zu Raufutter“ wie Stroh oder Heu durch andere Maßnahmen wie „zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial“ ersetzen dürfen. „Wenn man da ein Stück Holz reinwirft, dann ist das organisches Beschäftigungsmaterial“, erläuterte Dinter der taz. „Das Schwein beschäftigt sich damit aber nur 10 Minuten und dann findet es das todlangweilig. Das ist eine Alibigeschichte. Schweine brauchen Heu“, fordert die Tierschützerin. Es sei auch nicht nachweisbar, dass die Tiere ständig oder nur zum Zeitpunkt der bis zu 48 Stunden vorher angekündigten Kontrolle Zugang zu Raufutter hatten.

Weil die Initiative sich nicht weiterentwickle, urteilt Dinter: „Das Projekt ist gescheitert. Es hat seine Glaubwürdigkeit verloren. Wir fordern das Ende der Initiative Tierwohl.“ Denn sie spiegele den Verbrauchern vor, die Haltungsbedingungen würden bedeutend besser. (SB)
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