Report Pflanzenschutz

Auf dem Weg an Europas Spitze


Verantwortung für Deutschland, Österreich und die Schweiz: Dow-Manager Scott Boothey.
-- , Foto: Dow Agrosciences
Verantwortung für Deutschland, Österreich und die Schweiz: Dow-Manager Scott Boothey.

Die Agrarsparte des US-amerikanischen Chemieunternehmens Dow Agrosciences stellt sich in Europa neu auf. Die Managementstruktur ist umgebaut, um das Wachstum vorzubereiten. Eine neue Führungsposition im Pflanzenschutz ist das Ziel. Den für Dow Agrosciences wichtigen deutschen Markt sowie das Geschäft in Österreich und der Schweiz leitet seit März Scott Boothey. Konkret kündigt der aus Australien stammende Manager für die nächsten drei bis fünf Jahre sechs neue Wirkstoffe an.

Einen besonders großen Wurf plant Dow Agrosciences im Jahr 2018/19: Dann startet nach dem heutigen Stand der Planung in Europa die Zulassung von Getreidefungiziden, deren Wirkstoff auf einem neuen Mode of Action (MoA) beruht. Während Dow Agrosciences als Anbieter von Herbiziden und Insektiziden bereits Reputation besitzt, ist die Entwicklung eigener Fungizidwirkstoffe Neuland für den Chemiekonzern.

Ebenfalls neu auf den europäischen Markt stößt Dow Agrosciences mit dem neuen, innovativen Wirkstoff Arylex, der bereits in China und Kanada als Getreideherbizid zugelassen ist. Nach Angaben von Boothey wirkt Arylex besonders gründlich gegen die in Europa verbreiteten Problemunkräuter. Deutsche Landwirte könnten ab dem Jahr 2017 Zugang haben. Dann steht auch in Deutschland die Markteinführung von Insektiziden mit dem Wirkstoff Isoclast an, der zur neuen Gruppe der Sulfoximine gehört. Damit hätten Landwirte erweiterte Möglichkeiten in der Bekämpfung saugender Insekten. Insektizide mit diesem Wirkstoff verkauft Dow Agrosciences bereits in mehreren Ländern. Ergänzend soll 2016/17 ein neues Getreidefungizid auf den deutschen Markt kommen. Schließlich will Dow Agrosciences bereits ab dem kommenden Jahr einen Nitrifikationshemmer in Deutschland einführen.

Investition in Saatgut

Für die neuen Pflanzenschutzwirkstoffe sind in den Labors in der Konzernzentrale in Indianapolis vor einigen Jahren die Weichen neu gestellt worden. „Die klassische Agrarchemie stand schon immer im Fokus des Unternehmens. Zusätzlich wurde in den vergangenen Jahren kräftig in den Ausbau des Saatgut- und Biotechnologie-Geschäfts investiert“, betont Boothey. Besonders verstärkt habe das Unternehmen die gezielte Suche nach Wirkstoffen gegen Getreidekrankheiten. „Wer so intensiv sucht, findet auch interessante Moleküle", ergänzt er. Die Wirkstoffe werden gezielt für den Einsatz in Europa entwickelt. Denn den Amerikanern sei mehr denn je bewusst, dass sich hier im globalen Maßstab für den chemischen Pflanzenschutz ein Hauptmarkt befindet. Bei europäischen Landwirten sind besonders neue Getreidefungizide und selektive Getreideherbizide begehrt.

Einen Durchbruch versprechen sich die europäischen Dow- Agrosciences-Manager von den Getreidefungiziden mit dem neuen MoA. Boothey ist überzeugt, dass ein neuer Wirkmechanismus den Landwirten neue Möglichkeiten im Resistenzmanagement eröffnet. Außerdem ist der Manager zuversichtlich, dass weitere Fungizide folgen werden. Denn in den Laboren in der US-Zentrale geht die Suche nach Molekülen weiter. „Bis in zehn Jahren werden wir eine ganze Palette von neuen Getreidefungiziden anbieten können", erhofft sich Boothey. Natürlich weiß er um das komplizierte regulatorische Umfeld in Europa, das Zulassungsprozesse langwierig und teuer macht. „Aber das trifft alle Hersteller gleichermaßen."

Neu und alt gut positionieren

Um in Europa die Weichen für den künftig zu erwartenden höheren Absatz und die steigende Marktbedeutung zu stellen, hat Dow Agrosciences die Organisation neu ausgerichtet. Besonders wichtig ist nach Einschätzung des Deutschland-Managers, dass der Austausch von Konzepten und Ideen zwischen den führenden Absatzmärkten Deutschland, Frankreich und England intensiver wird. „Wir wollen unsere Ressourcen fokussieren und Europa als Ganzes stärken", betont Boothey. Entscheidend ist für ihn außerdem, den passenden Marketingmix zu finden. „Wir müssen das Geschäft an zwei Fronten gut managen. Zum einen haben wir ein neues Portfolio und neue Produkte. Zum anderen müssen wir auch unsere generischen Produkte gut positionieren", erklärt Boothey die Herausforderung.

Harter Wettbewerb

Der Australier freut sich auf seine neue Aufgabe im deutschen Markt, den er besonders auf den Handelsstufen als äußerst wettbewerbsintensiv erlebt. „Im europäischen Vergleich erhalten deutsche Landwirte sehr wettbewerbsfähige Preise und Konditionen", sagt Boothey, der in den zurückliegenden vier Jahren für Dow Agrosciences den Pflanzenschutzmarkt in Großbritannien und Irland verantwortet hat. Einbringen in die neue Position in München kann er außerdem langjährige Erfahrungen aus Australien, wo Boothey alle Agrarmärkte von Getreide über Düngemittel bis zum Pflanzenschutz eingehend kennengelernt hat.

Bereits gewöhnt hat er sich in den Jahren in England daran, dass die europäische Bevölkerung viel mehr direkte Berührung mit der Landwirtschaft hat als in Australien. In Bootheys Heimat leben 80 Prozent der Bevölkerung in einem 20 Meilen breiten Küstenstreifen von Melbourne bis Brisbane. Dagegen ist das Hinterland, wo der Weizen wächst und Rinder grasen, fast menschenleer. Ganz anders in Europa, wo Boothey seinen Eindruck so schildert: „Nahtlos gehen Städte in Kleinstädte in Dörfer über, und die Landwirtschaft findet dazwischen statt." Mit dieser Nähe erklärt sich Boothey, dass der öffentliche Druck auf die Landwirtschaft in Europa so groß sei. (db)
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