Produktion Cropenergies

Auf der Suche nach Alternativen

Dr. Stephan Meeder, Joachim Lutz (Sprecher), Michael Friedmann (v.l.)
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Dr. Stephan Meeder, Joachim Lutz (Sprecher), Michael Friedmann (v.l.)
Um 23 Prozent konnte Cropenergies im Geschäftsjahr 2016/17 (März/Februar) seine Bioethanaolproduktion in den vier Werken auf 1 Mio. Kubikmeter steigern. Derzeit laufen alle Anlagen unter Volllast, seit Juli 2016 ist auch die vorübergehend stillgelegte Anlage Wilton in Großbritannien wieder mit am Start. Doch das muss nicht so bleiben. Denn sollte sich die Preissituation bei Ethanol und Rohstoffen wieder ändern, kann die Produktionsmenge jederzeit flexibel den Marktverhältnissen angepasst werden, sagte CEO Joachim Lutz heute in Mannheim bei der Bilanzpressekonferenz.

EU-Kommission will Bioethanol drosseln

Auch für das kommende Jahr 2017/18 erwartet Lutz ein Produktionswachstum. Geht es allerdings nach den Vorstellungen der EU-Kommission dürfte der Absatz von Bioethanol ab 2020 in der EU sinken. Seit November 2016 liegt in Brüssel ein Entwurf für den Einsatz von Erneuerbaren Energien für die Dekade 2020 bis 2030 vor. Demnach soll es kein spezifisches Einsparziel von Treihausgasen für den Transportsektor mehr geben. Bis 2020 gilt das Zehn-Prozent-Ziel, das Erneuerbare im Transportsektor beisteuern. Laut EU wäre ab 2021 ein Anteil von 3,8 Prozent für Biokraftstoffen aus Ackerfpflanzen erlaubt, 3,6 Prozent entfallen auf fortschrittliche Kraftstoffe aus Abfallprodukten oder Stroh sowie 3,2 Prozent, die andere Kraftstoffe beisteuern sollen.

Lutz hält diese Vorschläge für kontraproduktiv. Damit lassen sich die Treibhausgase nicht senken. Doch unabhängig davon, wie Europaparlament und EU-Ministerrat über die Vorschläge entscheiden, will Cropenergies vorbereitet sein und in die Forschung alternativer Produkte investieren. „Wir haben die Möglichkeit, Chemikalien aus Agrarprodukten für die Industrie herzustellen“, sagt Lutz. Schon heute teilt sich die Produktion von Cropenergies in 44 Prozent Kraftstoffethanol sowie 56 Prozent Proteine, Neutralalkohol und flüssiges Kohlenstoff auf.

In Destillation wird Bioethanol gewonnen
-- , Foto: Martin Jehnichen
In Destillation wird Bioethanol gewonnen

Schwieriges Jahr, schwierige Prognose

Im Geschäftsjahr 2016/17 steigerte Cropenergies den Umsatz um 11 Prozent auf 802 Mio. €. Das gesamte Jahr war von großen Preisschwankungen bei Bioethanol gekennzeichnet. Diesen Nachteli konnten auch günstige Einkaufspreise von Getreide nicht vollständig kompensieren. Fiel der Bioethanol-Preis noch im September auf einen Tiefstand von 427 €/Kubikmeter gab es im 4. Quartal im Februar 2017 eine Erholung auf 640 €/Kubikmeter. DAS EBITA verbessert sich um 11 Prozent auf 134,8 Mo. €. Erfreulich war, dass das Werk Wilton nur 4 Monate im Geschäftsjahr stillstand. Im Juli 2016 wurde die modernisierte Anlage hochgefahren. Damit verringerten sich die Sonderaufwendungen deutlich auf knapp 4 Mio. €. Das Finanzergebnis musste die Abwertung des britischen Pfunds berücksichtigen, so dass sich am Ende ein um 61 Prozent besserer Jahresüberschuss auf 68,8 Mio. € ergibt.

Die Prognose für 2017/18 ist für Finanzvorstand Dr. Stefan Meeder nicht einfach. Ein Indiz für die große Bandbreite beim operativen Ergebnis von 40 bis 80 Mio. € im Geschäftsjahr 2017/18 seien die Terminpreise für Bioethanol in Europa, die auf einen Preisrückgang in den kommenden Monaten hindeuten. Anpassungen seien nicht ausgeschlossen. Insgesamt rechnet Cropenergies, dass die Getreidepreise stabil bleiben und damit ein günstiger Rohstoffeinkauf von Gerste, Mais und Weizen gesichert sei.  (da)
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