Report Spannungsfeld Nutztierhaltung

Auf der Suche nach Balance


Im kleinen Sektor der Haltung von Mutterkühen können gesellschaftliche Anforderungen relativ problemlos erfüllt werden.
-- , Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de
Im kleinen Sektor der Haltung von Mutterkühen können gesellschaftliche Anforderungen relativ problemlos erfüllt werden.

Tierhaltung in Deutschland hat sich zu einer Dauerbaustelle entwickelt. Seit Jahren steht sie in der Kritik, häufig getrieben durch Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie Tierschutz- und Umweltverbände. Diese verweisen auf fehlende Akzeptanz durch die Verbraucher , die nicht mehr bereit seien, die herkömmlichen Haltungs- und Produktionsformen zu akzeptieren.

Im Widerspruch dazu verzeichnen jedoch nahezu alle Sektoren der Veredelungswirtschaft in Deutschland in den vergangenen Jahren ein anhaltendes Wachstum. Insbesondere die Geflügel- und Schweinefleischerzeugung haben in den vergangenen zehn bis 15 Jahren kontinuierlich zugelegt (siehe Grafik). Selbst für das 1. Halbjahr 2015 weist das Statistische Bundesamt wieder einen neuen Rekord in der Fleischerzeugung aus mit einem Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch dieses Mengenwachstum geht angesichts aktueller Störungen in den internationalen Märkten wie dem fehlenden Russlandgeschäft einher mit deutlichen, teilweise dramatischen Rückgängen der Preise für Fleisch- und Milchprodukte. Sie bringen die Nutztierhalter in große, in vielen Fällen existenzielle Bedrängnis. Ein kurzfristiges Umsteuern und eine Anpassung an aktuelle Marktsituationen ist für Tierhalter jedoch unmöglich.

Aber es scheint, als sei der bisherige Wachstumskurs an sein Ende gelangt. Die Zeichen stehen auf Innehalten, vielleicht sogar leichten Rückgang in der Erzeugung. Dies zumindest wäre eine Konsequenz aus der erfolgreich angelaufenen „Initiative Tierwohl“ der Wirtschaft. Allein das darin vorgesehene größere Platzangebot für Nutztiere könnte dazu führen, dass über ein verringertes Angebot die Preisentwicklung positive Impulse erhält. Wenn gleichzeitig Anforderungen der Gesellschaft erfüllt werden, so kann daraus ein neues Gleichgewicht sowohl für Akzeptanz als auch die Wirtschaftlichkeit entstehen. Damit wäre allen gedient. (jst)
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