Heidrun und Lothar Kümmerle freuen sich über die Resonanz.
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Heidrun und Lothar Kümmerle freuen sich über die Resonanz.

Heidrun und Lothar Kümmerle bewirtschaften im Kraichgau einen Acker- und Weinbaubetrieb mit Pensionspferdehaltung. Er gehört zum Netz von bundesweit 22 Ackerbauerbetrieben, die am Modell- und Demonstrationsvorhaben integrierter Pflanzenschutz teilnehmen. Die Familie Kümmerle ist im dritten Jahr dabei und hat schon reichlich Erfahrung gesammelt. Deswegen kommen zum diesjährigen Hoftag, der kurz vor der Getreideernte stattfindet, neben Landwirtschaftsminister Peter Hauk auch zahlreiche baden-württembergische Pflanzenschutzberater und Landwirte.

Für den Pflanzenbau bietet der Kraichgau ideale Voraussetzungen. Fruchtbare Böden kombiniert mit einem milden Klima lassen eine vielfältige Fruchtfolge zu. Außerdem ist die Vermarktungsstruktur besonders für Weizen in der Region weit entwickelt. Auch das Ehepaar Kümmerle hat früh die Zeichen der Zeit erkannt und den Betrieb für die Zukunft aufgestellt. Statt wie früher Sauen und Ferkel stehen heute Pensionspferde in den Ställen. In der Landwirtschaft konzentriert sich Familie Kümmerle auf den Acker- und Weinbau, mittlerweile mit tatkräftiger Unterstützung des Sohnes, der sich hauptsächlich den Reben widmet.


Agrarminister Peter Hauk (r.) informiert sich aus erster Hand.
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Agrarminister Peter Hauk (r.) informiert sich aus erster Hand.

Offizielle Wetterstation liefert wertvolle Daten

Als einer der ersten Praxisbetriebe hat Lothar Kümmerle bereits vor 20 Jahren seine Flächen für den Aufbau einer agrarmeteorologischen Wetterstation der baden-württembergischen Offizialberatung bereitgestellt. Seit vielen Jahren werden auf dem Birkenhof außerdem amtliche Pflanzenschutzversuche sowie wissenschaftliche Grundlagenversuche durchgeführt. Dazu gehört auch der Test neuer Prognosesysteme.

Die Entscheidung, sich 2014 als Demonstrationsbetrieb integrierter Pflanzenschutz zu bewerben, war für den aufgeschlossenen Betriebsleiter eine logische Konsequenz. „Ich bin schon immer daran interessiert, die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu begrenzen“, sagt Kümmerle. Mit dem ständig aktualisierten Wissen und der umfangreichen Beratung, die er als Demonstrationsbetrieb erhält, ist er in seinen Entscheidungen aber noch sicherer geworden. Gerne probiert der Landwirt auch neue Verfahren aus. Mit Bernhard Bundschuh vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe hat Kümmerle den idealen Partner für Innovationen gefunden. Der Pflanzenschutzberater betreut in Baden-Württemberg die Ackerbauern, die zum Verbund der Demonstrationsbetriebe gehören. Außer dem Betrieb im Kraichgau handelt es sich um zwei weitere Höfe in Oberschwaben und in der Rheinebene. „Wir können zeigen, dass integrierter Pflanzenschutz auch in unseren Betriebsstrukturen machbar ist“, freut sich Bundschuh über die Zusammenarbeit. Er sucht mit seinen Landwirten ständig nach Innovationen, die der Praxis langfristig dienen.


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Untersaaten erfordern viel Fingerspitzengefühl

Dazu zählen Untersaaten in Winterraps, die alle drei Betriebe seit drei Jahren testen. Ein spezielles Wicken-Klee-Gemenge unterdrückt nach der Aussaat Unkräuter und verringert im Herbst den Befall mit Erdflöhen sowie im Frühjahr mit Stängelrüsslern. Darüber hinaus liefern die Leguminosen Stickstoff nach. Bundschuh bezeichnet die Rapsuntersaat als einen wichtigen Baustein, um Pflanzenschutzmaßnahmen zu reduzieren. „Dieser integrierte Ansatz muss aber zum Betrieb passen, denn er benötigt sehr viel Fingerspitzengefühl“, nennt der Berater als weitere Erfahrung.

Auf dem Betrieb Kümmerle im Kraichgau wächst außerdem in einem Modellversuch Emmer. Dabei handelt es sich um eine alte Weizenart, die mit recht wenig Pflanzenschutz auskommt und deswegen im Bioanbau sehr beliebt ist. Die Pflanzen erreichen allerdings auf fruchtbaren Ackerböden mit reichlich Stickstoffnachlieferung locker eine Höhe bis zu 2Metern und gehen häufig ins Lager. Da im Bioanbau Wachstumsregler verboten sind, ist die Bestandsführung aufwendig. Hinzu kommt, dass es in Jahren mit Zwergsteinbrand zu Totalausfällen kommen kann. Außerdem ist Emmer recht anfällig für Blattkrankheiten und Fusarien.

Konventionelle Landwirte bekommen diese Probleme ohne großen Aufwand in den Griff. Es reichen eine Saatgutbeizung, Anwendungen von Wachstumsreglern und eine einzige Fungizidbehandlung. „Insgesamt ist die Intensität in Emmer gering“, versichert Bundschuh. Angesichts des wachsenden Marktes für die alten Weizenarten sieht er Potenzial für den Anbau in Baden-Württemberg. Eigens für den Hoftag auf dem Birkenhof hat die Hofbäckerei Glaser aus dem benachbarten Markgröningen ein „Umweltschutzbrot aus Weizenvollmehl“ gebacken.

Als weitere Spezialität auf dem Birkenhof steht Gelbweizen im Test. Auch diese Art ist anspruchslos, was den Pflanzenschutz anbetrifft. Das Korn punktet mit 12 bis 13 Prozent Protein und intensiv gelber Farbe, die in den Verarbeitungsprodukten nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch von gesundheitlich wertvollen Flavonoiden begleitet wird.

Natürlich bringen diese Spezialsorten nicht die Erträge wie konventioneller Weizen. Aber Landwirt Kümmerle und Berater Bundschuh sind überzeugt, dass sie in einem professionellen Ackerbaubetrieb durchaus ihren Platz haben.

Ausbaufähig ist die Vermarktung dieser Nischenprodukte. Vielleicht bewegt der Besuch von Landwirtschaftsminister Peter Hauk auch etwas, hoffen die Veranstalter des Hoftags. Sein Ministerium könnte sich stärker dem Marketing für baden-württembergische Agrarprodukte widmen, die mit geringem Pflanzenschutzaufwand erzeugt worden sind.

Unterdessen feilen Landwirte und Berater weiter an den Methoden des integrierten Pflanzenschutzes. Die Demonstrationsbetriebe in Deutschland zeigen, was heute schon möglich ist. (db)
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