Report Milchstandort Deutschalnd

Auf jeden Bio-Betrieb gehört ein Pflanzenbauspezialist


Peter Richter: „Um rentabel zu sein, muss für Biomilch mindestens 10 Cent/kg mehr als für konventionelle Milch bezahlt werden.“
-- , Foto: privat
Peter Richter: „Um rentabel zu sein, muss für Biomilch mindestens 10 Cent/kg mehr als für konventionelle Milch bezahlt werden.“

Kann eine Bio-Kuh mit einer Hochleistungskuh mithalten?

Ja, wenn die Menschen, die den Produktionsprozess steuern, keine Fehler machen. Rund 10000 kg Milch pro Kuh als Herdendurchschnittsleistung sind möglich. Trotzdem fehlen 1200 bis 1500 kg Milch pro Kuh.

Wem ist die Umstellung zu empfehlen?

Der Betrieb sollte unbedingt über ausreichend stallnahe Weide oder zumindest über befestigte Auslauffläche verfügen. Auf der Auslauffläche muss jede Kuh 4,5 m² Platz haben. Außerdem sollte der qualifizierte Pflanzenbauspezialist wie ihn viele Großbetriebe haben die Herausforderungen des Bio-Futterpflanzenbaus mit hoher Motivation annehmen. Denn der Pflanzenbau unterscheidet sich stark vom konventionellen Produktionssystem: So dürfen weder Herbizide noch Beizen oder mineralische Stickstoffdünger angewendet werden.

Außerdem sollte der Landwirt bereits sehr gute Ergebnisse im konventionellen Milch-Produktionsverfahren hinsichtlich Leistung und Gesundheit erzielen, um die Umstellung zu meistern. Während der Umstellungsphase sind die finanziellen Belastungen hoch. Dafür müssen ausreichend Rücklagen verfügbar sein.

Wie lange dauert es, bis sich die Umstellung auszahlt?

Normalerweise dauert es rund zwei Jahre bis der Betrieb bio-zertifiziert ist. Während dieser Zeit erhält der Landwirt noch den Preis für konventionelle Produkte, muss allerdings bereits die höheren Kosten besonders für Bio-Futtermittel und eine geringere Milchleistung verkraften. Die geringere Milchleistung wird besonders dadurch verursacht, dass sich auf der Weide die Qualität des Futters ständig ändert. Außerdem sind Extraktionsschrote verboten. Dadurch entsteht eine Eiweißlücke, die durch Anbau oder Zukauf von Leguminosen ausgeglichen werden muss.

Wann lohnt die Umstellung?

Es lohnt sich, wenn die Produktpreise und die Flächenbeihilfe die höheren Kosten mehr als ausgleichen. Für gleiche Rentabilitätsverhältnisse muss der Preis für Biomilch unter derzeitigen ostdeutschen Verhältnissen mindestens 10 Cent/kg über dem konventionellen Preis liegen. Wenn die meisten ostdeutschen Milchproduktionsbetriebe ab 35 Cent/kg konventioneller Milch rentabel sind, dann muss der Biomilchpreis bei mindestens 45 Cent/kg liegen.

Wo lauern zusätzliche Kosten?

Das Hauptproblem liegt in der sinkenden Milchleistung, die besonders nach dem Weideaustrieb fällt. Außerdem muss der Bio-Landwirt beim Futter deutlich tiefer in die Tasche greifen: Sowohl das Grobfutter als auch das Konzentratfutter sind teurer. Konzentratfutter kostet meist zwei- bis dreimal so viel wie das konventionelle Pendant. Hinzu kommt, dass die Kälber grundsätzlich mit Muttermilch aufgezogen werden müssen. Die Milch von mit Antibiotika behandelten Tieren ist doppelt so lange für den Verkauf gesperrt wie im konventionellen Bereich. Auch der zusätzliche Kontrollaufwand ist nicht zu unterschätzen.

Wo gibt es Spielraum?

Bei den EG-Rechtsvorschriften oder Verbandsrichtlinien: Kühe müssen in den letzten zwei bis drei Wochen vor der Abkalbung nicht auf die Weide. Das sollten Landwirte nutzen, um den Stoffwechsel der Kuh optimal vorzubereiten. Sparen kann auch, wer die Kälber mit möglichst hohem Anteil an Kolostral- oder Sperrmilch füttert. Aus mehreren Gründen ist es sinnvoll, nahezu das gesamte Futter im Betrieb selbst zu erzeugen. (has)
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