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Dr. Angela Werner zum Pflanzenschutz in der EU

Die Ausgestaltung der künftigen Pflanzenschutzpolitik in der EU wird heftig diskutiert und schlägt zurzeit kräftige Wellen. Von der angestrebten Harmonisierung in Europa ist nicht viel zu spüren – vor allem, wenn es um die grundsätzliche Ausrichtung geht. Die einen wollen praktikable Regelungen für die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Die anderen – allen voran die Grünen – wollen den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmitteln mindestens halbieren und fordern harte Ausschlusskriterien bei der Wirkstoffzulassung. Die Folgen haben sie dabei aber offensichtlich nicht bedacht.

Wenn Landwirte zu wenige Mittel zur Verfügung haben, um ihre Erträge zu sichern und Schädlinge beziehungsweise Krankheiten effizient zu bekämpfen, bleiben Produktivität und Wirtschaftlichkeit auf der Strecke. Denn ein intensiver Ackerbau für eine Nahrungsmittelerzeugung in der notwendigen Größenordnung ist ohne Pflanzenschutz nicht machbar. Darüber hinaus wird in den Diskussionen suggeriert, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmittel viel zu hoch und Umwelt sowie Gesundheit nicht ausreichend geschützt seien. Landwirtschaftliche Unternehmer sind aber an einem effizienten Einsatz ihrer Betriebsmittel interessiert, denn sie kosten schließlich Geld. Darüber hinaus sind die Sicherheitsstandards im Pflanzenschutz auch heute schon hoch. So werden bei der Zulassung die neuen Wirkstoffe beispielsweise bereits auf ihre nervenschädigenden oder mutagenen Auswirkungen für die Umwelt sowie den Anwender untersucht und bewertet. Oft wird bei den Diskussionen vergessen, dass bei der Festlegung von Schwellenwerten stets Sicherheitsfaktoren eingebaut werden. Strengere Regeln für noch mehr Sicherheit sind kein unlauterer Wunsch, aber sie sollten mit Augenmaß aufgestellt werden.

Trotz aller Kontroversen und befürchteter Überregulierung gehen viele Vorschläge in die richtige Richtung. So sind eine Verkürzung der Zulassungsfristen, eine klare Definition der Zuständigkeiten und Bewertungskriterien längst überfällig. Auch die vergleichende Bewertung und die Substitution durch risikoärmere Wirkstoffe ist kein Schreckgespenst, denn sie wird in Deutschland ohnehin schon länger praktiziert. Mutig ist die Einführung der zonalen Zulassung sowie der gegenseitigen Anerkennung von Zulassungen in anderen Mitgliedstaaten. Dadurch hätten beispielsweise deutsche Landwirte auch Zugriff auf Pflanzenschutzmittel, die in den benachbarten Niederlanden zugelassen sind und die bislang über den „kleinen Grenzverkehr“ auch ohne Zulassung in Deutschland auf die Äcker kommen.

Jetzt kommt es vor allem darauf an, im kommenden EU-Agrarministerrat das „Pflanzenschutz-Boot“ ins richtige Fahrwasser zu lenken, denn damit wird die Richtung für die kommenden Jahre vorgegeben. Und dabei sollten EU-Politiker nicht nur nach Wählerstimmen schielen, um eine grüne Klientel zu bedienen. Auch die häufig angeführte Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Europa sollten nicht durch eine falsche Zielsetzung untergraben werden.

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