Fachverband Biogas

Ausschreibungen sollen Sektor retten

Horst Seide (rechts) fordert Perspektiven für die Biogasbranche.
-- , Foto: pio
Horst Seide (rechts) fordert Perspektiven für die Biogasbranche.

Im Jahr 2015 sind 190 Biogasanlagen neu ans Netz gegangen, nach 178 im Vorjahr. Der Großteil davon sind kleine Gülleanlagen mit einer elektrischen Leistung von 75 Kilowatt, teilte der Fachverband Biogas am Mittwoch auf der Agritechnica in Hannover mit. In der Summe bringen es diese Anlagen auf eine elektrische Leistung von 36 Megawatt (MW). Davon werden jedoch nur 19 MW tatsächlich zur Stromerzeugung eingesetzt, 17 MW sind flexible Leistung. „Wir hatten auch schon Jahre, in denen Biogasanlagen 600 Megawatt Strom erzeugt haben. Das zeigt die Dimension des Strukturwandels auf, in dem wir stecken“, sagte Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas.

Die Biogasbranche in Zahlen
Nach Angaben des Fachverbands Biogas sind 8.928 Biogasanlagen im Jahr 2015 am deutschen Netz. Das sind 190 Anlagen mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 gingen noch rund 1.500 neue Biogasanlagen ans Netz. Der Zubau der elektrischen Leistung in diesem Jahr inklusive Überschüssen beträgt 272 (Vorjahr: 268 MW). Davon werden allerdings nur 19 (116) MW tatsächlich zur Stromproduktion eingesetzt. Insgesamt kommen die hiesigen Biogasanlagen auf eine installierte elektrische Leistung von 4.177 (3.905) MW. In diesem Jahr werden voraussichtlich 9,3 Mio. Haushalte mit Biogasstrom versorgt. (pio)

Den Verband treibt die ungewisse Zukunft für die Anlagenbetreiber um. Ab dem Jahr 2020 fallen viele Bestandsanlagen aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) heraus. Denn nur für Kleinanlagen bis 100 kW ist eine längerfristige Förderung vorgesehen. Um den Betreibern eine Zukunftsperspektive zu eröffnen, mahnt der Fachverband eine schnelle Anschlussregelung an. 

Wirtschaftsministerium ohne Zeitplan


Nach Vorstellung des Verbandes soll ein Ausschreibungsverfahren für neue Stromleistung mit dem neuen EEG ab 2020 eingeführt werden. „Das würde mehr Wettbewerb bringen und auch den Bestandsanlagen eine Perspektive geben“, so Seide. Dem für das EEG zuständigen Bundeswirtschaftsministerium hat der Verband diesen Vorschlag bereits unterbreitet und einen Start der Ausschreibungen ab 2017 gefordert. Doch im Ministerium wolle man sich noch nicht auf einen Zeitplan festlegen, sagt dazu Seide. 

Selbst wenn der Verband seinen Vorschlag durchsetzen kann, würden nicht alle Bestandsanlagen am Netz bleiben, räumte Seide auf der Pressekonferenz ein. „Die Anlagen mit einem guten Konzept und Zusatzerlösen werden es leichter haben als Anlagen, denen eine marktgerechte Strategie fehlt“, sagte er. Die Branche werde „viel Bewegung“ sehen, fügte der Verbandspräsident hinzu. Zusatzerlöse kann eine Anlage etwa durch Wärmeverkauf und Abfallvergärung erwirtschaften.

Generell rechnet der Verband damit, dass Güllekleinanlagen und Anlagen zur kommunalen Abfallverwertung weiter gute Zukunftsperspektiven haben. Auch Serviceanbieter seien gut aufgestellt. Ebenso entwickle sich die Nachfrage nach Know-how im Ausland positiv. So kämen Anfragen aus Ägypten und Malaysia rund um den Bereich Reststoffverwertung. Gut laufe auch der Markt China. (pio)
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