Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss fordert eine strenge Regulierung des Lebensmittelhandels. Anderenfalls drohe der Niedergang der Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Eine Vielzahl von missbräuchlichen und wettbewerbsschädlichen Vorfällen lege nahe, dass wenige Einzelhandelskonzerne den Großteil des Marktes beherrschen. Deshalb fordert der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (Ewsa) die EU-Kommission auf, im Lebensmitteleinzelhandel den unverfälschten Wettbewerb gesetzlich zu fördern.

Versuche, durch Selbstregulierung und Verhaltenskodizes die Handelsbeziehungen im Lebensmittelbereich in ein neues Gleichgewicht zu bringen, seien bislang gescheitert. Die Ewsa beobachtet vor allem in Ost- und Mitteleuropa eine große Marktmacht in Händen weniger, meist westeuropäischer Handelsunternehmen. Diese wiederum bevorzugten aufgrund langjähriger Beziehungen große westeuropäische Lebensmittellieferanten. Diese Situation verschärfe sich noch dadurch, dass viele Lieferanten in Mittel- und Osteuropa den Ansprüchen der großen Ketten nicht gerecht würden.

Im Ergebnis trage die Struktur zum Niedergang des gesamten Agrar- und Lebensmittelsektors in mehreren Ländern bei. In Deutschland geht der Frage nach dem korrekten Wettbewerb zwischen Lebensmittelhändlern und Herstellern zurzeit das Bundeskartellamt nach. Ein Ergebnis erwartet die Branche im Laufe des Jahres.

Der Ewsa ist eine der ältesten EU-Organe und wurde durch die Römischen Verträge von 1957 geschaffen. Der Ausschuss vereint Vertreter von Arbeitgebern, Angestellten und anderen Interessensgruppen aus den Bereichen Wirtschaft und Sozialpolitik. Bei Entscheidungen zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik muss der Ewsa konsultiert werden. (hed)
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