Milcherzeugung

Bauern kehren DMK den Rücken

Das zweite Jahr in Folge rollt zum Jahreswechsel eine Kündigungswelle über Deutschlands größte Molkerei. Nachdem 2015 bereits 500 Mio. kg Milch gekündigt wurden kamen im bis Ende 2016 noch einmal 1,2 Mrd. kg hinzu. Sollten alle Kündigungen aufrecht erhalten werden, sinkt die angelieferte Menge nach Ablauf der zweijährigen Frist um diese Mengen. Bis zum 1. Januar 2019 kämen insgesamt 1,7 Mrd. kg zusammen. Das wäre rund ein Viertel der aktuellen Verarbeitungsmenge des DMK. Damit müssten für mehr als 5 Prozent der in Deutschland produzierten Milchmenge neue Abnehmer gefunden werden.

Protest gegen unterdurchschnittliche Auszahlungspreise

DMK-Sprecher Hermann Cordes bestätigt gegenüber dem Weserkurier, dass zahlreiche Bauern ihre Lieferverträge mit der größten Molkerei Deutschlands gekündigt haben. Die Mitglieder reagieren damit auf die seit Jahren unterdurchschnittlichen Auszahlungspreise beim DMK. Cordes versicherte, dass die Molkerei sich um jeden Milchbauer bemühen und versuchen werde, verlorengegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Die Molkerei will bei den im März anstehenden Bezirksversammlungen über die Unternehmensstrategie für eine höhere Wertschöpfung informieren.

AbL sammelt Abtrünnige

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat die abtrünnigen Mitglieder aufgerufen, ihre Milch gemeinsam zu vermarkten. In Westfalen sind dem bereits die ersten Milchbauern gefolgt. Landwirte haben dort die Milcherzeugergemeinschaft MEG Coesfeld & Umgebung gegründet, die rund 10,5 Mio. kg Milch bündelt und für weitere Interessenten offen ist. Die AbL geht davon aus, dass viele der Kündiger noch keinen neuen Abnehmer für ihre Milch gefunden haben. „Es gibt ja gar nicht mehr so viele Alternativen in dem DMK-Einzugsgebiet, weil das DMK viele kleinere Werke in den letzten Jahren übernommen hat“, erklärt Ottmar Ilchmann, Milchbauer in Ostfriesland und Landesvorsitzender der AbL Niedersachsen-Bremen. Zudem sei unsicher, wie sich der Milchmarkt in Europa und darüber hinaus in den nächsten zwei Jahren entwickeln werde und ob Molkereien vor dem Hintergrund auf einen Schlag eine große Anzahl Milcherzeuger aufnehmen werden. (SB)

 
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