Monsanto-Übernahme

Baumann: „Ich zittere gar nicht“

Trotz des Siegs von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA ist Bayer-Chef Werner Baumann optimistisch, den US-Saatgutkonzern Monsanto wie geplant bis Ende des Jahres 2017 zu übernehmen. „Tatsächlich ist die Sorge vor zunehmendem Protektionismus verbreitet“, erklärt Baumann in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit. Bisher wisse aber niemand genau, ob man Trumps Aussagen im Wahlkampf für bare Münze nehmen könne. „Ich denke, wir sollten erst einmal abwarten, bis er im Amt ist und seine Regierungsmannschaft ausgewählt hat.“ Baumann deutete an, dass Bayer den Namen Monsanto nach der Übernahme aufgeben könnte. Bayer kaufe das Unternehmen nicht wegen seines Namens, sagt Baumann, wichtiger als der Name Monsanto sei die Tatsache, Landwirte zu unterstützen.
Sammelklage von Monsanto-Aktionären
Aktionäre von Monsanto in den USA haben eine Sammelklage gegen die geplante Fusion mit Bayer eingereicht. Die Kläger wollen so die Übernahme durch Bayer verhindern. Sie werfen dem Management von Monsanto vor, das Unternehmen in der Übernahmevereinbarung nicht hoch genug bewertet zu haben. Nach mehreren Nachbesserungen von Bayer hatten sich die Unternehmen schließlich auf einen Preis von 128 US$ je Aktie geeinigt. Die Kläger sind der Meinung, dass der Preis bei über 130 US$ hätte liegen müssen. Die Monsanto-Führung hält die Vorwürfe für unberechtigt.

Einige Hürden bis zur Übernahme

Bayer will den Saatgut- und Biotechnologiekonzern aus St. Louis für 66 Mrd. US-$ übernehmen. In den USA prüft ein Ausschuss der US-Regierung, ob Übernahmen durch ausländische Unternehmen die nationale Sicherheit beeinträchtigen. Dem Geschäft müssen außerdem Kartellbehörden in 30 Ländern zustimmen. Am 13. Dezember wollen jedoch zunächst die Aktionäre von Monsanto darüber abstimmen: „Ich zittere gar nicht“, sagte Baumann im Zeit-Interview.  „Unser Angebot ist attraktiv. Ich erwarte eine stabile Mehrheit dafür.“

Austausch mit Kritikern geplant

Die Übernahme stößt seit Wochen auf breite öffentliche Kritik. „Es fühlt sich nicht besonders gut an, wenn Sie als das neue Gesicht des Unternehmens gleich unter einen gewissen Druck kommen“, so Baumann, der den Chefsessel bei Bayer erst im Mai übernommen hat. Allerdings könne er sich auf die Unterstützung seines Unternehmens verlassen. „Man darf nicht direkt umfallen, wenn der Wind mal stärker ins Gesicht bläst.“ Der schlechte Ruf Monsantos begründe sich auf der Vergangenheit des Unternehmens, so Baumann, „heute ist Monsanto ein modernes, hervorragend geführtes Biotechnologie-Unternehmen mit einer exzellenten Forschung.“ Baumann kündigte an, sich mit „kritischen Organisationen“ auszutauschen, sofern „der Wille zu sachlichen Gesprächen“ vorhanden sei. Allerdings sei das nicht immer der Fall: „Es gibt bestimmte Gruppen, die sind ideologisch so festgelegt, dass sie inhaltlichen Argumenten nicht zugänglich sind.“ (SB)
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