Übernahmepläne

Bayer und Monsanto einig

Bayer ist mit seinem Angebot, Monsanto für 128 US-$ je Aktie in bar zu übernehmen, endlich gelandet. Zugestimmt haben nach Informationen beider Unternehmen sowohl die Mitglieder des Verwaltungsrates von Monsanto als auch Vorstand und Aufsichtsrat von Bayer. Gemessen am Schlusskurs der Monsanto-Aktie am 9. Mai 2016, dem Tag vor dem ersten schriftlichen Angebot von Bayer, bedeutet das Angebot eine Prämie von 44 Prozent auf den damaligen Kurs, betont der Leverkusener Konzern.

Konsolidierung
Wenn Bayer Monsanto kauft, entsteht der global mit Abstand führende Agrarchemie- und Saatgutkonzern. Monsanto bringt am Weltmarkt das größte Saatgutgewicht auf die Waage, Bayer ist hinter Syngenta der zweitwichtigste Anbieter von Pflanzenschutzmitteln. Addiert man die Dollarumsätze von Bayer Crop Science und Monsanto für das zurückliegende Geschäftsjahr, ergeben sich 26,5 Mrd. US-$. Das wäre fast das Doppelte des Syngenta-Umsatzes 2015 von 13,4 Mrd. US-$. Auch die geplante Kombination der Agrarsparten von Dow und DuPont wäre mit einem addierten Umsatz von 16,2 Mrd. US-$ weit abgeschlagen. (db)
Für Bayer errechnet sich eine Gesamtsumme von rund 66 Mrd. US-$ oder umgerechnet etwa 59 Mrd. €. In zweierlei Hinsicht handelt es sich um eine Rekordsumme: Es ist die weltweit teuerste Unternehmenshochzeit des Jahres. Außerdem ist es die größte Übernahme, die je ein deutscher Konzern im Ausland gestemmt hat.

Widerstand kommt prompt

Umgehend nach Bekanntgabe der Einigung kommt Protest. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in der Übernahme von Monsanto durch Bayer „enorme Risiken für Umwelt, Verbraucher und die bäuerliche Landwirtschaft“. Der neu entstehende „Megakonzern“ könnte eine marktbeherrschende Stellung im Bereich Saatgut, Gentechnik und Pestizide bekommen, argwöhnt der BUND.

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag und Katharina Dröge, Sprecherin für Wettbewerbspolitik, fordern mit ähnliche Argumenten die Kartellbehörden in Europa und den USA auf, den Deal zu verhindern. In das gleiche Horn bläst Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, der an die europäische Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager appelliert. Sie müsse verhindern, dass Bayer den weltweiten Agrarchemiemarkt dominieren kann.

EU-Kommission prüft Wettbwerb

Vestager wird auch ohne besondere Aufforderung den geplanten Zusammenschluss eingehend prüfen. Sie hat bereits Mitte August bei Dow und DuPont auf die Bremse getreten und eine Prüfung angekündigt, die bis zum Jahresende dauert. Dazu kommentierte die Kommissarin: „Die Existenzgrundlage der Landwirte hängt davon ab, dass sie zu wettbewerbsfähigen Preisen Zugang zu Saatgut und Pflanzenschutzmitteln haben. Wir müssen sicherstellen, dass der geplante Zusammenschluss nicht zu höheren Preisen oder weniger Innovation bei diesen Produkten führt.“ Das Gleiche müsste dann auch für den geplanten Zusammenschluss zwischen Bayer und Monsanto gelten.

Allgemein wird in der Branche damit gerechnet, dass bei den geplanten Fusionen und Übernahmen in der Branche Marktsegmente abgekoppelt werden müssen, in denen eine zu starke Wettbewerbsposition entstehen könnte. „Wir stehen parat für Zukaufsgelegenheiten, die aus kartellrechtlich bedingten Verkäufen aus den Zusammenschlüssen in der Branche entstehen könnten“, sagte etwa Markus Heldt, Leiter Crop Protection der BASF SE, vor wenigen Tagen im Interview mit der agrarzeitung (az). (db)
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