Bei der Förderung von Erdöl und Erdgas tritt in großen Mengen methanhaltiges Begleitgas aus, das entweder abgefackelt oder in die Atmosphäre abgelassen wird. Die Mineralölindustrie fackelt weltweit jährlich eine Menge Methan ungenutzt ab, die etwa einem Drittel des gesamten europäischen Erdgasverbrauchs entspricht. Dies zeigt eine neue Studie des Beratungsunternehmens Exergia im Auftrag von Ovid Verband der Ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland und dem Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 6 Prozent senken

Verringert die Erdölindustrie die klimaschädlichen Begleitgasmengen, kann sie sich dies zukünftig auf gesetzliche Treibhausgas-Vermeidungsvorgaben für den europäischen Transportsektor anrechnen lassen, teilt der VDB am Mittwoch mit. Dies regelt die europäische Kraftstoffqualitätsrichtlinie „Fuel Quality Directive“ (FQD), die im kommenden Jahr in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Demnach sind die Erdölunternehmen verpflichtet, die Treibhausgas-Emissionen ihres Kraftstoffs im Jahr 2020 um 6 Prozent im Vergleich zu 2010 zu reduzieren.

Neben der Reduzierung von Begleitgasmengen kann die Mineralölwirtschaft sich zur Zielerreichung unter anderem die Nutzung von Biokraftstoffen anrechnen lassen. Die unterschiedlichen Vermeidungsmaßnahmen werden künftig miteinander in Konkurrenz treten, so ein weiteres Ergebnis der Exerga-Studie. Gerade die Anrechnung der Begleitgas-Reduktion sieht das Beratungsunternehmen kritisch: „Da bisher keine Kontrollen vorgesehen sind und große Mengen von Begleitgasen emittiert werden, besteht die Gefahr, dass die Mineralölindustrie lediglich deren Ausstoß auf dem Papier reduziert. Damit wird kein Anreiz geschaffen für die Nutzung von erneuerbaren Energien und alternativen Antrieben“, so Dr. Theodore Goumas, Geschäftsführer von Exergia und einer der Autoren der Studie.

“Unkontrolliertes Schönrechnen fossiler Kraftstoffe“

Auch der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) kritisiert die Anrechnung von Begleitgasreduktionen auf die europäischen Klimaziele im Verkehr. „Die FQD erlaubt mit der Begleitgasreduzierung ein weitgehend unkontrolliertes Schönrechnen der fossilen Kraftstoffe. Die fehlenden Vorgaben zu Dokumentation und Kontrolle führen abermals zu einer abenteuerlichen Ungleichbehandlung: Während Biokraftstoffe ihre Nachhaltigkeit und Treibhausgasbilanz belegen müssen, sind Benzin und Diesel hiervon unberechtigterweise ausgenommen“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des VDB. “ (az)
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