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Berater decken Schwachstellen auf

Viele LMS-Mitarbeiter verfügen über einen Hochschulabschluss und viel Praxiserfahrung.
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Viele LMS-Mitarbeiter verfügen über einen Hochschulabschluss und viel Praxiserfahrung.

Die „Rote Villa“ im Nordosten von Rostock gelegen, ist schon immer eine Adresse für landwirtschaftliche Forschung und Beratung gewesen. In das schmucke Haus aus roten Backsteinen mit hölzernen Treppenstiegen, Handläufen, weißen hohen Fenstern und Erkern zog 1901 der Direktor der damaligen landwirtschaftlichen Versuchsstation ein. Heute ist der 58-jährige Agraringenieur Berthold F. Majerus Hausherr in dem roten Klinkergebäude. Er ist Geschäftsführer der LMS Agrarberatung GmbH in Rostock. Von seinen 125 Mitarbeitern beraten 50 mehr als 1000 Agrarunternehmen im Nordosten und angrenzenden Bundesländern. Von den rund 4500 Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern sind mehr als ein Drittel Kunden der LMS. Die Beraterteams in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg führen neben der begleitenden, mehrjährigen Beratung jährlich 1500 Einzelprojekte durch.

Neben der Roten Villa, eingebettet in ein Wäldchen und Freiflächen der früheren Versuchsfelder, befindet sich das denkmalgeschützte Gebäude-Ensemble der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) Rostock. Hier untersuchen Laboranten 70000 Boden- und Futtermittelproben im Jahr. „Die LUFA Rostock ist ein Unternehmensbereich der LMS Agrarberatung GmbH“, sagt Majerus.

Arbeitsgebiet reicht bis Cottbus

Als sich nach der Wende von 1989 im Nordosten Verwaltung und Agrarberatung neu aufstellten und der privatwirtschaftlichen Beratung gegenüber staatlicher Beratung der Vorzug gegeben wurde, erwies sich der Schritt in die Eigenständigkeit mit den Gesellschaftern Land Mecklenburg-Vorpommern, Landesbauernverband MV und Gartenbauverband Nord als goldrichtig. „Die LMS ist die größte unabhängige, privatrechtlich organisierte Agrarberatung in Deutschland. Das Arbeitsgebiet erstreckt sich nördlich einer gedachten Linie von Göttingen bis Cottbus, insbesondere und mit starkem Fokus natürlich auf das Stammland Mecklenburg-Vorpommern“, erklärt Majerus.

Die Beratung ist flexibel, ganzheitlich ausgerichtet, betriebsindividuell und immer auf dem Stand der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse was Produktionstechnik, Management und Praxis betrifft. Ferner integriert der dynamische Geschäftsführer mit Wurzeln in der Eifel die Kundenwünsche in neue Geschäftsmodelle. Sein ständiger Begleiter ist dabei der kleine „Agriathlet“, der auf dem grünblauen Schild vor der Roten Villa als lustiges Maskottchen mit einer zum Speer umgewandelten Getreideähre Besucher willkommen heißt.

Wissenstransfer ausbaufähig

Eine Kölner Marketingagentur hat die verschiedenen LMS-Beratungsangebote in Prospekten mit dem Agriathleten in verschiedenen Posen illustriert. Der Slogan der LMS, „Dienstleister für Höchstleister“, weist eine Affinität zum sportlichen Wettbewerb auf – so wurde die Idee des Agriathleten geboren, der mit verschiedenen Disziplinen für die Geschäftsfelder der LMS steht.

Mal taucht das Maskottchen als Hochspringer mit einer Getreideähre und der Aussage: „Für alle, denen Höchsterträge nicht hoch genug sind“ als Symbol für die Pflanzenbauberatung auf, in einem anderen Flyer hält er als Dompteur einen Ring, durch den Kühe, Schweine und Schafe der Reihe nach durchspringen und wirbt mit der Aussage: „Für alle, denen tierisch gut nicht gut genug ist“. Majerus’ Ziele sind wie beim Speerwerfen hoch gesteckt. Er möchte einen noch engeren Austausch zwischen Beratung und disziplinübergreifendem Wissenstransfer und diesen den Betrieben zur Verfügung stellen.

Sein größtes Kapital sind dabei seine Fachberater. Sie haben alle einen Hochschulabschluss in Agrarwissenschaften, einige sind promoviert. Ein Hochschulabschluss möglichst verbunden mit ausreichender Praxiserfahrung ist Voraussetzung für eine Anstellung, denn die Aufgaben sowie die meist ebenfalls akademisch ausgebildeten Betriebsleiter sind anspruchsvolle Gesprächspartner und kennen sich in der Landwirtschaft bestens aus. Auf den Beratern lastet eine große Verantwortung. Die Betriebe beschäftigen viele Angestellte, bewirtschaften große Flächen und tragen finanzielle Verpflichtungen. Manchmal aber wissen auch erfahrene, gestandene Chefs, wenn wie im Jahr 2016 die Erlöse im Marktfruchtbau um 30 Prozent einbrechen und die Milchpreise unter 20 Cent/Liter fallen, nicht mehr weiter und suchen noch intensiver kompetenten Rat und Austausch bei der LMS.

Die meisten Kunden bleiben nach der ersten Beratung dabei. Sie treten in einen der LMS-Arbeitskreise ein, wo sich Praktiker unter der Leitung eines Beraters regelmäßig treffen. Und sie beteiligen sich an horizontalen Betriebsvergleichen in den Betriebszweigauswertungen. Hier kann sich jeder einordnen, wo er steht und wo gegebenenfalls noch Reserven liegen. Je nach Umfang der Beratungsleistungen weisen die betriebsindividuellen Jahreshonorare eine Spannbreite zwischen dem Grundbeitrag und mehreren Tausend Euro auf.

Aufgrund der nun schon über einen längeren Zeitraum andauernden desaströsen Situation auf dem Milchmarkt schwebt häufiger der Agriathlet mit dem Fallschirm ein. Passend dazu lautet das Leitbild der sozioökonomischen Beratung des BEX – Büro für Existenzsicherung: „Damit Sie Liquiditätslücken sicher überwinden. Begleiten, beraten, beschützen.“ Das Angebot ist kostenneutral und unterstützt Betriebe, die kurzfristig Liquiditätsengpässe überwinden müssen oder Rat für die Hofnachfolge suchen. Dieser LMS-Bereich unterstützt Ratsuchende in allen Krisensituationen, wenn die Existenz bedroht ist, egal ob der Betrieb durch Strukturwandel, Wetterkapriolen oder volatile Märkte in eine Problemsituation geraten ist. Die BEX-Spezialisten suchen nach Perspektiven. Die Betriebe kommen dabei meist wieder auf die Beine – in begründeten Einzelfällen hilft jedoch nur noch ein geordneter Rückzug aus der Produktion. „Während der Milchkrise in den vergangenen zwei Jahren ist die Not auf vielen Höfen dramatisch gestiegen“, sagt Majerus. Sie hätten vor dem Ende der Milchquote 2015 in neue Stallanlagen investiert und diese Investitionen mit Krediten finanziert. Andere haben zu wenig Eigenkapital und könnten bei nicht veränderbaren Fixkosten die Niedrigpreisphase nicht überstehen. „Kein Betriebsplan hat vorab mit weniger als 30 Cent für den Liter Milch kalkuliert. Deshalb haben wir einige Betriebe in der begleitenden Beratung verloren, die wegen der Milchkrise aufgeben mussten. Gleichzeitig verzeichneten wir 2016 eine Steigerung der zeitlich begrenzten Projektberatung.“

Finanzreseveren aufgebraucht

„Die Berater werden immer wieder mit völlig neuen Fragestellungen konfrontiert“, stellt Majerus, 26 Jahre seit Bestehen der LMS, fest. Der Wunsch nach einer besseren Arbeitsorganisation, unternehmerischer Entwicklung und Liquiditätssicherung in der Landwirtschaft steige. In Krisensituationen stellt sich oftmals die Frage: „Wie lange kann ich den Betrieb unter diesen Marktbedingungen noch weiterfahren oder soll ich diesen Produktionszweig besser schnell beenden?“. Nur an kleinen Stellschrauben drehen und auf steigende Preise für Agrarprodukte hoffen, helfen da nicht immer weiter. Die finanziellen Reserven seien nach zwei Jahren Talfahrt bei der Milch und Getreide aufgebraucht. Bis sich die Betriebe aus eigener Kraft wieder erholen, dauert es Jahre. „Unser Beratungsziel kann es nicht sein, bei vergleichsweise schlechteren betrieblichen Bedingungen jeden Betrieb in der Produktion zu halten.

Die drei L im Nordosten

Im Verantwortungsbereich des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt in Schwerin sind verschiedene Institutionen, Behörden und privatrechtliche Gesellschaften mit landwirtschaftlichem Bezug etabliert, deren Namen alle mit dem Buchstaben L beginnen:

LALLF Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei

LFA Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei

LMS LMS Agrarberatung GmbH, Rostock sowie LUFA Rostock. da

Wir sind Dienstleister für Höchstleister.

Berthold F. Majerus, LMS-Geschäftsführer
Manchmal führt eine gründliche Analyse der betrieblichen Daten und Entwicklungspotenziale zu dem Ergebnis, dass ein Betrieb die Produktion besser beendet“, gibt Majerus ehrlich zu. „Wer es geschafft hat und weitermacht, bleibt bei uns“, sagt der aus der Eifel stammende Westdeutsche. Am Jahresende will er den LMS-Gesellschaftern schwarze Zahlen präsentieren. „Wir verkaufen Beratung zum Stundensatz.“ Wer sich für die mehrjährige begleitende Arbeitskreisberatung entscheidet, zahlt 75€/ Stunde. In der Beratung für Einzelprojekte, die dann auf ein Projekt begrenzt sind wie investive Vorhaben zum Stallbau oder die Beratung zu einem konkreten Problemfall sind es 85 €/Stunde.

Neben der privaten Beratung wurden der LMS über ein gesondertes Beleihungsgesetz hoheitliche Aufgaben durch das Land Mecklenburg-Vorpommern übertragen. Diese Aufgaben sind im Unternehmensbereich „Zuständige Stelle für Landwirtschaftliches Fachrecht und Beratung“ konzentriert. Seit 1994 gelingt die Verbindung zwischen Beratung und der Erfüllung hoheitlicher Aufgaben. Beispielsweise kontrollieren Mitarbeiter die Einhaltung der Klärschlammverordnung. Gerade die neue Düngeverordnung verlange einen engen Schulterschluss zwischen Forschung, Beratung und hoheitlichen Aufgaben.

Auch die Beratung zur Wasserrahmenrichtlinie übernimmt die LMS. Das Leistungsspektrum der LMS ist breit aufgestellt. In Neubrandenburg bündeln erfahrene LMS-Mitarbeiterinnen den Ein- und Verkauf von Betriebsmitteln sowie den Verkauf von Getreide und Ölsaaten der angeschlossenen Betriebe über zwei Erzeugergemeinschaften. Ein weiteres Erfolgsprojekt ist der vor fünf Jahren gegründete „Energieverbund der Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern“. Heute betreut der Betriebszweig 47 Ackerbau- und Gemischtbetriebe mit Biogas- und Solaranlagen und vermarktet 26 Megawatt Bioenergie.

Betriebsanalyse bringt den vollen Durchblick

Die Milchviehhaltung ist ein außerordentlich komplexer Produktionsbereich. Unter die Lupe kommen bei einer Grundanalyse der LMS Agrarberatung die Entstehungskosten. „38 Cent je Liter Milch sind einfach zu hoch“, weiß LMS-Geschäftsführer Berthold F. Majerus aus Erfahrung.

Der Vor-Ort-Termin auf dem Betrieb umfasst die Begutachtung mit Foto- und Videoaufnahmen sowie eine Dokumentation aller Arbeitsroutinen. Beispielsweise steigern niedrigere Tierarztkosten die Wettbewerbsfähigkeit. Majerus und sein Team machen den Auftraggebern Vorschläge, wie sich Arbeitsabläufe oder Bausubstanz mit geringem Aufwand verbessern lassen. Das reduziert Kosten und Verluste. Zusätzlich führen die Berater auf Wunsch einen „Herdencheck“ durch. Ein weiterer Beratungsschwerpunkt liegt auf der Optimierung der Biogaserzeugung. Nach der Vorstellung des gesamten Schwachstellen-Checks entscheidet jeder Auftraggeber selbst, ob er in die mehrjährige Arbeitskreisberatung wechseln möchte oder ob ihm die Mappe mit den Auswertungen genügt. Die meisten Landwirte, die sich für den regelmäßigen Erfahrungsaustausch entscheiden, fühlen sich noch heute im Beraterkreis wohl.
(da)
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