Antibiotikaresistente Krankheitserreger werden weltweit mit zunehmender Besorgnis betrachtet und bedürfen höchster Aufmerksamkeit, denn sie können sowohl für Menschen als auch für Tiere gefährlich werden. Am vergangenen Freitag fand dazu in Vechta ein wissenschaftliches Symposium statt, bei dem Experten aus der Veterinär- und Humanmedizin diskutierten, wie die Antibiotikaresistenzsituation verbessert werden kann.

Gesamtgesellschaftliches Verständnis notwendig

Prof. Thomas Blaha, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, forderte, dass neben einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin auch ein gesamtgesellschaftliches Verständnis für den verantwortungsvollen Umgang mit den für die Menschheit so wertvollen Antibiotika zu schaffen sei. Dies bekräftigte auch der Präsident des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Prof. Eberhard Haunhorst: „Jeder Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin kann die unerwünschte Resistenzentwicklung gegen Antibiotika fördern. Die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen ist daher eine gemeinsame, wichtige Aufgabe der Human- und Veterinärmedizin – dies spiegelt sich im One-Health-Ansatz wider.“

One-Health-Ansatz fördert Zusammenarbeit

Der One-Health-Ansatz wurde auf der Tagung angeregt diskutiert, weil er die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt fachübergreifend in den Blick nimmt. Dr. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA), erklärte: „Der One-Health-Ansatz soll die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen stärken und dabei Aktivitäten im jeweiligen Verantwortungsbereich befördern“. Mit der gemeinsamen niedersächsischen Strategie gegen Antibiotikaresistenz werde beispielsweise genau dieser Ansatz verfolgt, so Pulz.

Resistenzüberwachung im Krankenhaus verbessert

Erste Erfolge bei der Bekämpfung resistenter Keime sind bereits sichtbar. In der Tierhaltung hat sich die Gesamtmenge der an Tierärzte abgegebenen Antibiotika seit 2011 etwa halbiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich jedoch einig, dass weitere Anstrengungen notwendig seien - nicht nur im Stall, sondern auch in den Krankenhäusern. In seinem Vortrag über Hygiene im Krankenhaus machte Dr. Ron Hendrix, Medizinisches Zentrum der Universität Groningen, anschaulich, dass eine verbesserte Resistenzüberwachung nicht nur dabei helfe, Resistenzen zu minimieren, sondern auch Kosten zu einzusparen. Aufwändige Behandlungen und eine isolierte Unterbringung betroffener Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern könnten beispielsweise gesenkt werden.

Die Geschäftsführerin der neuen, in Vechta ansässigen Koordinierungsstelle „Transformationswissenschaften in agrarischen Intensivregionen im Nordwesten Niedersachsen“, Dr. Barbara Grabkowsky, unterstrich: „Wir brauchen mehr Beratung, einen gezielten und verantwortungsbewussten Umgang in der Antiinfektivatherapie bei Mensch und Tier und weniger den schnellen Griff zum Rezeptblock.“ (az)
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