Feldversuche belegen es: Im Ackerbau ist die Speisekartoffel die beregnungswürdigste Frucht.
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Feldversuche belegen es: Im Ackerbau ist die Speisekartoffel die beregnungswürdigste Frucht.

Besonders in der Kartoffel- und Gemüseproduktion reicht Regenwasser allein meistens nicht aus. Deshalb ist für diese Kultur in aller Regel eine zusätzliche Bewässerung notwendig. Auf leichten Böden mit geringer natürlicher Fähigkeit zur Wasserspeicherung stellt die Feldberegnung jedoch auch für andere landwirtschaftliche Kulturen ein wichtiges Betriebsmittel dar.

2015 extrem trocken

Die Risikoabsicherung für trockene Jahre und eine hohe Flächenproduktivität stehen hier im Vordergrund, was gerade bei knappen und teuren Ackerflächen entscheidend ist. Das für große Teile Deutschlands extreme Trockenjahr 2015 mit erheblichen Ertragsausfällen bei fehlender Beregnungsmöglichkeit hat dies eindrucksvoll gezeigt. Ein besonderer Vorteil ergibt sich zudem aus der sicheren Erfüllung von Lieferverträgen hinsichtlich der Mengen und der geforderten Produktqualitäten. Beregnungsbetriebe sind daher für die aufnehmende Hand verlässliche Marktpartner.

Der Einstieg in die Bewässerung ist jedoch kostenintensiv, weil zunächst in entsprechende Anlagen zur Förderung, Zuleitung und Verteilung des Wassers investiert werden muss. Die Investitionskosten hängen von vielen Faktoren ab – wie zum Beispiel Herkunft des Wassers (Oberflächen-, Grundwasser), Lage und Größe der Flächen oder die gewählte Technik. Daher haben sie eine große Spannbreite, die häufig zwischen 1500 und 2500 €/ha liegt. Die variablen Kosten im Betrieb fallen hauptsächlich für die benötigte Energie zur Wasserförderung sowie für Arbeitszeit an. Bei den im Ackerbau am meisten verwendeten Rohrtrommelberegnungsmaschinen kann mit etwa 0,15 bis 0,2 €/m3 Wasser kalkuliert werden. In einigen Bundesländern sind zusätzlich Wasserentnahmegebühren zu berücksichtigen.

Mit welchen Ertragssteigerungen durch Bewässerung in Ackerkulturen gerechnet werden kann und wie viel Zusatzwasser zur Verhinderung von finanziellen Einbußen durch Trockenheit nötig ist, zeigen die seit mehr als zehn Jahren durchgeführten Feldversuche der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen. Das Versuchsfeld Hamerstorf liegt im beregnungsintensiven Nordosten Niedersachsens auf einem leichten Sandboden. Die im langjährigen Mittel höchsten Mehrerträge durch eine optimale Beregnung konnten im Getreide (34 bis 45 Prozent) und in Kartoffeln (27 Prozent) realisiert werden. Bei Zuckerrüben, Silomais und besonders Raps fiel die Ertragssteigerung deutlich geringer aus. Diese Kulturen können das verfügbare Bodenwasser besser in Ertrag umsetzen. In sehr trockenen Jahren reagieren sie ohne Bewässerung jedoch auch mit erheblichen Ertragseinbrüchen.

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass mit einer reduzierten Beregnung, die ein niedrigeres Niveau der Bodenfeuchtigkeit bewirkt, erhebliche Wassermengen von 400 bis 500 m3/ha eingespart werden können. Ertrags- und Qualitätseinbußen sind dann jedoch möglich.

Die „beregnungskostenfreie Leistung“ gibt den wirtschaftlichen Nutzen der Beregnung an. Sie ergibt sich aus den erzielten Mehrerlösen abzüglich der angefallenen Kosten. Bei den Kulturen des Ackerbaus ragt die Speisekartoffel als die beregnungswürdigste Frucht heraus. Sie erzielte im zehnjährigen Mittel bei durchschnittlichen Preisen und Berücksichtigung nur der variablen Kosten über 1900 € pro Hektar und Jahr. Kartoffeln benötigen stets eine optimale Wasserversorgung, weil bei Trockenheit nicht nur der Ertrag zurückgeht, sondern auch Qualitätsmängel auftreten. Bei einer Reduzierung der Beregnung sank daher die Wirtschaftlichkeit um mehr als 250 €/ha ab.

Beratungsangebote nutzen

Landwirte sollten sich daher nicht ausschließlich auf ihren „grünen Daumen“ verlassen, sondern auch spezielle Beratungsangebote nutzen. Diese können sich auf Messverfahren oder unterschiedliche Berechnungsmethoden stützen, die inzwischen am Markt verfügbar sind. Sehr wichtig sind auch Wetterdaten wie Niederschläge und Verdunstung sowie verlässliche Wettervorhersagen.

Durch die Folgen des Klimawandels mit steigendem Wasserbedarf wird eine effiziente Bewässerung zukünftig noch mehr an Bedeutung gewinnen. Möglicherweise wird jedoch eine Versorgung aus dem Grund- und Oberflächenwasser nicht mehr überall ausreichend möglich sein. Daher sollten rechtzeitig die Weichen gestellt werden, auch alternative Wasserquellen zu erschließen, zum Beispiel durch Wasserrückhalt und Mehrfachnutzung.

Angela Riedel und Ekkehard Fricke,
Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, Hannover
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