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Subventionen treiben Entwicklung – Klimawirkungen werden wichtiger

Agrarzeitung Ernährungsdienst 17. März 2007; Von Hermann Steffen, Bonn

Die weitere Entwicklung der Bioenergie ist bei hohem Subventionsbedarf völlig abhängig von der Politik. Der künftige Flächenbedarf geht zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion.

Den Boom von Bioenergie führt Dr. Yelto Zimmer von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig, ausschließlich auf massive staatliche Subventionen zurück. Die weitere Entwicklung sei daher völlig von der Politik abhängig. Auf der Fachtagung Futterwirtschaft des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) wies der Wissenschaftler am Donnerstag darauf hin, dass in Deutschland Bioethanol mit 2.000 €, Biodiesel mit etwa 900 € und Biogas mit nahezu 2.500 € je Hektar subventioniert werde. Nach Zimmers Einschätzung werden mittelfristig der Subventionsbedarf pro kWh sowie die Höhe der CO2-Vermeidungskosten zunehmend ein Maßstab für politische Entscheidungen werden. Bei den CO2-Vermeidungskosten sei beispielsweise Ethanol aus Weizen mit bis zu 300 €/t als CO2-Äquivalent sehr teuer. Die Getreideverbrennung sei aus energetischer und klimatischer Sicht den anderen Bioenergieprogrammen vorzuziehen. Sie sei ähnlich günstig einzustufen wie die Verbrennung von Ethanol aus Zuckerrohr, bei der sogar ein leichter Gewinn möglich sei.

Zimmer errechnet für die EU einen erheblichen Flächenbedarf für Bioenergie, wenn 5,75 Prozent des Benzins oder des Dieselöls durch Biosprit ersetzt würden. Bei Ethanol entspreche diese Menge rund 24 Mio..t Weizen, der sich bei einer EU-Weizenernte von 125 Mio.t und Weizenexporten noch verkraften ließe. Doch für ein entsprechendes Äquivalent Biodiesel würden 23 Mio.t Raps oder 140 Prozent der heutigen EU-Rapsernte benötigt. Am deutlichsten werde der Flächenbedarf bei Biogas. Zurzeit gebe es in Deutschland 3.500 Anlagen, die Biogasbranche gehe bis zum Jahr 2020 von fast 45.000 Anlagen aus. Dies entspreche umgerechnet der gesamten Getreidefläche Deutschlands. Solche Pläne ließen sich nur zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion verwirklichen.

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