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Exporteure werden Importeure – Globalisierung wird verstärkt

Agrarzeitung Ernährungsdienst 17. März 2007; Von Hermann Steffen, Bonn

Die globalen Rahmenbedingungen an den landwirtschaftlichen Märkten haben sich durch Bioenergie gravierend verändert. Der Kampf um Land zwischen Futtermitteln, Lebensmitteln, Kraftstoff lässt sich nicht mehr stoppen. Die Rohstoffpreise werden voraussichtlich bedrohlich steigen.

Gravierende Änderungen an den landwirtschaftlichen Märkten erwartet Hugo Stam, Direktor des Handelshauses Cefetra, Rotterdam. Das weltweite Bevölkerungswachstum führe zu steigender Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln, aber auch nach Kraftstoffen, sagte Stam auf der Fachtagung Futterwirtschaft des Deutschen Raiffeisenverbandes. Besonders durch die Ethanol- und Biodieselproduktion werde die Nachfrage nach Fläche anhalten, denn auch Biokraftstoffe der 2. Generation hätten einen großen Flächenbedarf.

Die Energiediskussion stehe überall auf der Welt auf der politischen Agenda. Der Kampf um Land zwischen Futtermitteln, Lebensmitteln und Kraftstoffen lasse sich nicht mehr stoppen. Hohe Rohstoffpreise mit inflationären Entwicklungen seien die Folge. Stam kann sich vorstellen, dass die Preise noch weit mehr steigen, als sich heute schon andeutet. Angesichts dieser von Stam als „bedrohlich“ bewerteten Situation seien bessere Technologien und steigende Hektarerträge notwendig.

Die Subventionen würden sich künftig vom Agrar- in den Energiesektor umschichten und auch die Bewertung der Rohstoffe habe sich von Nährstoff- zu Brennstoffwerten gewandelt. An den Rohwarenmärkten verstärke die steigende Nachfrage nach Getreide und Ölsaaten, Energiequellen und Biomasse den Trend zur Globalisierung. Auch innerhalb Europas veränderten sich die Handelsströme. Stam erwartet, dass sich die bisherigen Nettoexporteure Großbritannien und Skandinavien bei steigendem Inlandsverbrauch zu Importeuren wandeln. Großes Anbaupotenzial gebe es noch im Baltikum sowie den Schwarzmeerstaaten und Russland, wobei Russland voraussichtlich zunächst für den eigenen Verbrauch produzieren werde. Die Rohstoffmärkte seien schon von einer Angebots- in eine Nachfragesteuerung übergegangen. Inzwischen hätten auch die Hedgefonds die landwirtschaftlichen Märkte entdeckt. „Mega-Player sind mit Mega-Geld in die landwirtschaftlichen Märkte eingestiegen“, sagte Stam. Das führe zu unüberschaubaren Entwicklungen und zu einer stärkeren Notwendigkeit für Partnerschaften, Dienstleistungen und zusätzlichem Know-how.

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