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Agrana startet Probebetrieb – Hohe Rohstoffpreise machen Produktion unwirtschaftlich

Agrarzeitung Ernährungsdienst 19. September 2007;
Von Daphne Huber-Wagner, Frankfurt a.M.

Der österreichische Zuckerkonzern verschiebt den Start der Bioethanolanlage in Pischelsdorf bis zum Frühjahr 2008. Bestehende Lieferverpflichtungen werden erfüllt.

Nach mehr als einjähriger Bauzeit beginnt in wenigen Tagen der Probebetrieb der ersten Bioethanolanlage in Österreich in Pischelsdorf. Der Produktionsstart wird von Herbst auf das Frühjahr 2008 verschoben, teilt das Südzucker-Tochterunternehmen Agrana in Wien mit. Diese Entscheidung sei eine Reaktion auf die jüngste Preishausse bei Weizen und Mais auf den internationalen Rohstoffmärkten. Eine Produktion sei derzeit wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Agrana hat bereits Ethanol-Lieferverträge mit dem österreichischem Mineralölkonzern OMV geschlossen. In Österreich gilt ab 1. Oktober 2007 eine Ethanolbeimischungspflicht von 4,4 Prozent zum Fahrbenzin. „Diesen Biokraftstoff wird es auch geben“, sagte Agrana-Vorstand Johann Marihart am Montag vor der Presse. „Die Lieferverpflichtungen werden selbstverständlich erfüllt. Wir haben Kapazitäten in Ungarn, die flexibel zwischen Stärke und Alkohol umschalten können. In der Zwischenzeit bedienen wir die Lieferverpflichtungen an die OMV aus diesen Kapazitäten.

Für den Probebetrieb der 125 Millionen teuren Anlage wird in den kommenden Wochen zunächst Mais verarbeitet. Im laufenden Produktionsbetrieb sollen jährlich rund 520.000 t Getreideäquivalente wie Mais, Weizen, Triticale und Zuckerrübendicksaft verarbeitet werden. Bereits vor einem Jahr hat Agrana zusammen mit dem Agrarhandel Anbauverträge für Ethanolweizen geschlossen. Auch zur Ernte 2008 will Agrana den Landwirten Ethanolweizen- und Triticaleverträge anbieten. Die Mahlweizennotierungen der landwirtschaftlichen Börse in Wien vom September 2008 werden als Basis für die Preisfixierung herangezogen. Neu dabei ist, dass die maximale Preisdifferenz zum Qualitätsweizen mit 10 €/t für Ethanolweizen und mit 20 €/t für Ethanoltriticale abgesichert wird. Der Anbau von Ethanolweizen findet in Österreich nicht nur Zuspruch. Züchter und Händler befürchten, dass der Anbau von Premiumweizen von Ethanolweizen zurückgedrängt wird. „Wir haben viel in den Anbau und Export von Premiumweizen investiert“, meinte ein Saatguthändler gegenüber der Agrarzeitung Ernährungsdienst. Für ihn gibt es auf ertragreichen Standorten keine Alternative zu Premiumweizen.

Rund 9.000 Rübenbauern sind als Gesellschafter mit 25,1 Prozent an der Agrana Bioethanol GmbH, der Betreibergesellschaft des Ethanolwerkes, beteiligt. Hauptgesellschafter mit 74,9 Prozent ist die Agrana Stärke GmbH.
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