Wirtschaftsdünger

Biogas aus Gülle und Mist


Bisher wird Biogas aus Gülle und Mist vor allem in kleinen Hofanlagen von bis zu 75 kW produziert. Die Agravis und der Wirtschaftsdünger-Dienstleister Odas betreiben seit einem Jahr eine Großanlage, in der langfristig bis zu 90 Prozent Gülle, Festmist und separierter Güllefeststoff verarbeitet werden sollen.

Geplant wurde die 6,2 MW-Anlage für den Einsatz von 90.000 t Mais und 40.000 t Gülle. Ein großer Teil des Biogases sollte aufbereitet, der Rest in einem 700 kW Blockheizkraftwerg genutzt werden. Kurz nach der Inbetriebnahme im Frühjahr 2014 ging der EnDI Bioenergy Dorsten aber das Geld aus. Die Agravis kaufte die Biogasanlage aus der Insolvenzmasse, um sie mit einem modifizierten Konzept weiterzubetreiben. Eigentümerin und Betreiberin ist jetzt die TerraSol Wirtschaftsdünger, ein Gemeinschaftsunternehmen von Agravis und Odas. Die Investitionssumme beziffern die beiden Unternehmen auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

Erfahrungen weitergeben

In Gegensatz zu den urspünglichen Plänen wird nun weniger Energie (3,5 MW) erzeugt. Deutlich gesteigert wurden dagegen die Gülle- und Mistanteile. Langfristig sei geplant, bis zu 90 Prozent Wirtschaftsdünger einzusetzen, erklärt der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Philipp Spinne. Die Region könne so um rund 90.000 Tonnen Wirtschaftsdünger entlastet werden. „Wir sehen die Anlage als ein Pilotprojekt“, ergänzt der für die Futtermittelproduktion zuständige Agravis-Manager Ludger Leifker. Die Anlage soll auch dazu dienen, Erfahrungen in der Verarbeitung solch großer Wirtschaftsdüngeranteile zu sammeln. Über ihr Tochterunternehmen TerraVis, das Biogasanlagenbetreiber in der Betriebsführung berät, könnten die in Dorsten gewonnenen Erkenntnisse an andere Anlagenbetreiber weitergegeben werden.

Strom flexibel einspeisen

Auch in Zukunft soll ein Großteil des Gases, im Durchschnitt 2,8 MW, eingespeist werden. Bei der Stromproduktion wollen sich die neuen Betreiber stärker an den Marktpreisen ausrichten, um sowohl tägliche als auch jahreszeitliche Preisspitzen ausnutzen. Zurzeit stehen für die Stromeinspeisung zwei Blockheizkraftwerke mit elektrischen Leistungen von 715 kW und 500 kW zur Verfügung. Denkbar sei zudem, benachbarte Gewerbebetriebe mit Wärme zu versorgen, erläutert Geschäftsführer Spinne.

Welchen Beitrag die Biogasanlage zum Abbau der Nährstoffüberschüsse aus der Tierhaltung im Münsterland leistet, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der agrarzeitung. (SB)
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