Eurotier: Markteinschätzung

Biogas hat noch reichlich Potenzial

Das im Frühsommer 2016 novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) stellt die Branche vor große Herausforderungen, ist Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, überzeugt. Auf der Pressekonferenz im Rahmen der Jahrestagung des Fachverbandes, der Biogas Convention, die erstmals parallel zur EnergyDecentral und Eurotier in Hannover stattfindet, zog Seide am Dienstag eine erste Bilanz des EEG 2017.

„Zu Jahresbeginn waren die Erwartungen und damit auch die Stimmung unter den Biogas-Akteuren deutlich getrübter als heute", so Seide. Einen Grund zum Jubeln gäbe es allerdings auch nicht. Bis Ende 2016 würden circa 150 Biogasanlagen neu ans Netz gegangen sein. Für 2017 erwarte der Fachverband eine ähnlich niedrige Zahl. Zum Großteil sind es den Angaben zufolge Güllekleinanlagen mit einer elektrischen Leistung von maximal 75 Kilowatt (kW). Zusammen mit den getätigten Anlagenerweiterungen im Rahmen der Flexibilisierung seien 2016 knapp 150 Megawatt (MW) installiert worden. Davon allerdings nur gut 10 MW arbeitsrelevant, also Leistung, die tatsächlich regelmäßig Strom erzeugt. Werden die Stilllegungen von Biogasanlagen hinzugerechnet, tendiere der Zuwachs gegen Null.

„Allein über den Verkauf von Strom werden sich Biogasanlagen langfristig trotzdem nicht finanzieren lassen", ergänzte der Verbandspräsident. Er forderte, dass endlich auch die vielen weiteren klimarelevanten Vorteile von Biogas eingepreist werden. Vor allem in der Landwirtschaft leisten Biogasanlagen einen großen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen. Ebenso im bislang stiefmütterlich behandelten Wärmemarkt. (Sz)
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