Wissenschaftliche Studie

Biogas senkt Kosten im System


Die Nutzung von flexibel einsetzbarem Biogas kann im Stromsystem für Kostenentlastung sorgen und gleichzeitig Versorgungssicherheit bieten. Zu diesem Ergebnis kommt das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Fraunhofer IWES) in einer von Fachverband Biogas in Auftrag gegebenen Studie. Darin werden in einer Simulation für das Jahr 2030 zwei Szenarien verglichen. Im Ersten leistet ein optimierter Biogasanlagenpark einen großen Beitrag zur Energiewende. Im Zweiten wird beschrieben, welche Folgen ein Festhalten an den geltenden Regelungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hätte.

Ersatz für Wind und Sonne

In einem optimierten, auf flexible Stromproduktion ausgerichteten Anlagenpark könnte die Biogasnutzung im Jahr 2030 zu bundesweiten Kosteneinsparungen von 500 Mio. € pro Jahr im Vergleich zu einer Grundlaststromproduktion führen, berichtet der Fachverband Biogas. Es könnten Kosten eigespart werden, weil Biogas erneuerbaren Strom liefert, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint.

Spannung im Netz stabilisieren

Darüber hinaus stabilisiere Biogas das Stromnetz, was zu weiteren positiven Kosteneffekten führe. So könnten Biogasanlagen dazu beitragen, die Spannung im Stromnetz zu stabilisieren, indem sie sogenannte Blindleistung bereitstellen. Als weitere Systemdienstleistung bieten Biogasanlagen die sogenannte Schwarzstartfähigkeit, das heißt, sie können unabhängig vom Stromnetz hochfahren und so bei einem Stromausfall dazu beitragen, die Stromversorgung wieder aufzubauen.

Flexible Anlagen bieten Regelenergie

Wird der aktuelle Umfang des Biogas-Anlagenparks erhalten, so erreicht die Biogas-Stromproduktion im Jahr 2030 knapp 31 Mrd. Kilowattstunden (kWh), was etwa dem heutigen Niveau entspricht. Weil die Anlagen flexibler gefahren werden, greifen sie dann aber auf eine mit 7,9 Gigawatt (GW) gegenüber 2015 fast verdoppelte elektrische Leistung zurück, so die Autoren der Studie. Der Biogasanlagenpark decke so im Jahr 2030 rund 15 Prozent der maximalen Residuallast. Der Anteil an der positiven Regelenergie erreicht mit 6,3 GW rund 56 Prozent.

Ersatz durch Fossile Kraftwerke

Werde hingegen das EEG 2014 fortgeführt, könne ein verkleinerter Biogasanlagenpark keinen nennenswerten Beitrag zur Deckung der Stromnachfrage leisten. Der Beitrag zur Wärmeversorgung würde praktisch ganz entfallen. Die Simulation zeige zudem, dass ein starker Rückgang der Stromerzeugung aus Biogas erhebliche Auswirkungen auf das restliche Stromversorgungssystem hätte. Es müssten verstärkt fossile Kraftwerke einspringen – mit den einhergehenden negativen Konsequenzen für Klimaschutz und Versorgungssicherheit.

Ohne neue Rahmenbedingungen droht Abschaltung

„Die neue Studie untermauert unser Wissen über den wahren Wert von Biogas für das Stromsystem. Zugleich macht sie deutlich, dass die Branche ohne die richtigen Rahmenbedingungen in Deutschland abgeschaltet würde und die Systemdienstleistungen dann durch fossile Kraftwerke bereitgestellt werden müssen“, warnt der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudius da Costa Gomez. (SB)
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