Im vorigen Jahr wuchs die Zahl der Bioland-Mitglieder um 10 Prozent auf 6.861 Betriebe. Noch stärker legte die Fläche zu, auf der Produkte mit Bioland-Siegel erzeugt werden: Bioland-Bauern bewirtschaften mittlerweile 343.489 ha. Das entspricht einem Wachstum um 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist das stärkste Wachstum seit 15 Jahren, meldet der Verband.

„Diese Dynamik müssen wir in den nächsten Jahren verstärken und noch mehr konventionell wirtschaftenden Landwirten eine langfristige Perspektive durch Umstellung bieten“, sagt Bioland-Präsident Jan Plagge im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche. Er erinnert daran, dass Deutschland mit derzeit 6,5 Prozent Öko-Anbaufläche weit hinter dem selbstgesteckten Ziel zurückbleibt. In der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung wurde 2015 in Aussicht gestellt, einen Flächenanteil von 20 Prozent in absehbarer Zeit und nicht erst in Jahrzehnten zu erreichen.

EU-Gelder umschichten

Dafür fordert Plagge von der Politik die passenden Rahmenbedingungen. Die Länder müssten mit einer verlässlichen Förderung die Leistungen des Öko-Anbaus für Umwelt- und Tierschutz honorieren. In der laufenden EU-Förderperiode müsse Deutschland 15 Prozent der Direktzahlungen aus der ersten in die zweite Säule umschichten. Plagge fordert weitere Signale an die konventionellen Landwirte, damit sie die Chancen ergreifen, die der Öko-Landbau bietet.

Wichtige Basis für eine Zukunft der ökologischen Landwirtschaft ist nach Plagges Auffassung auch ein praktikables Anbauverbot von GVO in Deutschland und Europa. Dafür müsse der untaugliche Entwurf des Gentechnikgesetzes überarbeitet werden. Die Novellierung der Düngeverordnung müsse den Schutz der Gewässer von Nitrat und Phosphat mit einer flächengebundenen Tierhaltung vereinbar machen.

Angemessene Förderung der Forschung

Im Rahmen der Zukunftsstrategie Ökolandbau, die Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt im Februar vorstellen will, pocht Plagge auf eine stärkere Berücksichtigung des Öko-Anbaus in der Forschung. Spätestens 2021 sollen 20 Prozent der Mittel für Agrarforschung für Öko-Forschung zur Verfügung stehen.“Derzeit sind es nur 1,5 Prozent, obwohl heute knapp 9 Prozent der Landwirte 6,5 Prozent der nationalen Agrarfläche ökologisch bewirtschaften“, bemängelt Plagge. Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) müsse wieder ausschließlich den Bio-Bereich fördern und von 20 Mio. € auf 60 Mio. € aufgestockt werden.

Verlässlichkeit gefordert

Darüber hinaus fordert Bioland die Einführung von Abgaben auf mineralische Stickstoffdünger und synthetische Pestizide. So könnten Folgekosten aus der Landwirtschaft gemäß dem Verursacherprinzip auf die verantwortlichen Akteure umgelegt werden. Staatliche Investitionszuschüsse für den Stallbau (AFP) sollen nach den Vorstellungen des Öko-Verbands daran geknüpft werden, dass die gesetzlichen Vorgaben für die Bio-Tierhaltung eingehalten werden. Außerdem sollten alle Bundesländer wirksame Ökoaktionspläne umsetzen.

„Wir brauchen von Bund und Ländern einen verlässlichen Rahmen, der den Ausbau des Biolandbaus ermöglicht. Der ökologische Landbau ist ein zukunftsfähiges Agrarsystem, das eine gute wirtschaftliche Perspektive“, appelliert Jan Plagge an die Agrarminister. (brs)
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