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Brasilien verteidigt Ethanolstrategie – EU will verbindliche Standards

Agrarzeitung Ernährungsdienst 7. Juli 2007; Von Axel Mönch, Brüssel

Das Ansehen der Biokraftstoffe hat sich in jüngster Zeit deutlich verschlechtert. Mit Mindestanforderungen an eine umweltfreundliche Herstellung möchte die EU-Kommission den Pflanzenkraftstoffen wieder auf die Beine helfen. Brasilien ist dabei.

Tank oder Teller, heimische Erzeugung oder Importe, Regenwaldzerstörung oder nachhaltige Anbaumethoden – die Zahl der Kontroversen um Biotreibstoffe ist lang. Eine Konferenz in Brüssel wollte in dieser Woche zur Klärung beitragen. Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva verteidigte die Ethanolproduktion aus Zuckerrohr in seinem Land. In Brasilien werde kein Regenwald zerstört, um Biokraftstoffe herzustellen, wies Lula da Silva die Vorwürfe von sich. „Wenn es möglich wäre, Zuckerrohr im Amazonasbecken anzubauen, hätten es die Portugiesen vor 400 Jahren schon längst gemacht“, verdeutlichte der brasilianische Präsident. Weil es eben nicht möglich gewesen sei, verfüge Brasilien im Gegensatz zu Europa noch über rund 60 Prozent seiner ursprünglichen Wälder.

Der Bioethanolabsatz biete in Brasilien vielen Armen Einkommensmöglichkeiten und sei damit ein Beitrag zur Bekämpfung des Hungers. Brasilien und die EU hätten das gemeinsame Interesse, den Weltmarkt für Biotreibstoffe aufzubauen. Lula da Silva erklärte sich deshalb auch bereit, an Mindestanforderungen mitzuarbeiten.

EU-Energiekommissar Andis Piebalgs kündigte einen Vorschlag für eine EU-Verordnung an, die Mindeststandards für nachhaltig erzeugte Biokraftstoffe festschreibt. Nur zertifizierte Pflanzenkraftstoffe sollten auf das Ziel von 10 Prozent im Jahr 2020 angerechnet werden. „Nur für solche Kraftstoffe darf es Förderungen geben“, forderte Piebalgs. Die Mindestanforderungen müssten sowohl für Erzeugnisse aus der EU als auch für Importe gelten.

EU-Handelskommissar Peter Mandelson wehrte sich allerdings gegen versteckten Protektionismus. Es ginge um Umweltpolitik und nicht um Agrarpolitik. Deshalb müssten die Biotreibstoffe mit der besten Umweltbilanz zum Zuge kommen. Die EU könne ihr 10-Prozent-Ziel nur mit Importen erreichen.
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