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Aktienkurse im Rückwärtsgang – Unternehmen entwickeln sich auseinander

Agrarzeitung Ernährungsdienst 22. August 2007;
Dagmar Behme und Dietrich Holler, Frankfurt a.M.

Bioenergieunternehmen sind in diesem Jahr gebeutelt. Anlagenbauer spüren Zurückhaltung bei neuen Projekten. Hersteller von Biokraftstoffen stöhnen unter hohen Einstandspreisen. Hinzu kommen schwierige Absatzmärkte. Die Halbjahreszahlen der börsennotierten Unternehmen sprechen zum Teil eine deutliche Sprache.

In diesen Wochen werden die Halbjahresberichte der Anlagenbauer von Biodiesel- und Biogasanlagen sowie der Hersteller für Biokraftstoffe veröffentlicht. Sie dokumentieren die Schwierigkeiten, in denen sich die meisten Unternehmen befinden. Die Konkurrenz zwischen Nahrung und Energie verteuert mittlerweile die Rohstoffe in einem Ausmaß, das die Rentabilität der Energieerzeugung in Frage stellt. Das drückt auf die Ergebnisse bestehender Anlagen und bremst die Bereitschaft, in den Bau neuer Anlagen zu investieren. Die Zurückhaltung bei Investitionen hat insbesondere die Schmack Biogas erfahren, die bereits Ende Juli eine Gewinnwarnung veröffentlicht hatte. Der aktuelle Aktienkurs ist auf unter 20 € gesunken. Von Januar bis Mitte Juli 2007 hatte der Kurs noch 50 bis 60 € betragen. Eingebrochen ist jetzt auch der Aktienkurs des Anlagenbauers Biodiesel International (BDI) AG, Graz. Das österreichische Unternehmen wird seine selbst gesteckten Umsatz- und Renditeziele für 2007 nicht erreichen.

BDI-Vorstand Wilhelm Hammer sagte in einer Stellungnahme gegenüber der Agrarzeitung Ernährungsdienst (ED), dass der Kursverfall einiger deutscher Biodieselwerte auch die BDI-Aktie beeinflusst habe. Mit seiner internationalen Ausrichtung sei BDI jedoch von den Rahmenbedingungen in Deutschland weit weniger abhängig als Biodieselproduzenten. Die jüngst gesenkte Jahresprognose für 2007 führt Hammer auf interne Probleme der BDI wie einen Lieferantenwechsel sowie gestiegenen Material- und Personalaufwand zurück. Das Unternehmen leide auch unter Engpässen infolge der lebhaften Wirtschaftskonjunktur. Insgesamt sei die BDI jedoch auf Wachstum eingestellt, betont Hammer.

Auf sicherem Wachstumskurs befindet sich nach eigener Aussage die Biopetrol Industries, Zug (Schweiz). Sie hat in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2007 den Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 48 Prozent auf 92,4 Mio. € gesteigert. Den Umsatzzuwachs im 1..Halbjahr 2007 führt Biopetrol vorrangig auf den Produktionsstart der Biodieselanlage in Rostock zurück, die den bestehenden Standort in Schwarzheide ergänzt. Insgesamt macht Biopetrol in Deutschland Alleinstellungsmerkmale im Wettbewerb für sich geltend. Vorstandsmitglied Rudolf Albert erklärte gegenüber dem ED, dass sein Unternehmen Standort- und Logistikvorteile für die Belieferung der Mineralölindustrie aufweise.

Die Kurse aller an der Frankfurter Börse notierten Bioenergieunternehmen sind im August zurückgegangen, jedoch in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Ein Teil des Rückgangs ist der allgemeinen Nervosität an den Aktienmärkten geschuldet. Marktbeobachter erwarten außerdem, dass sich im 2.Halbjahr 2007 die Unternehmen noch stärker differenzieren werden.

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