Neonicotinoide

Bonde will Verbot aufrechterhalten

Mit der Rapsblüte beginnen erneut die Diskussionen um neonicotinoide Beizmittel.
-- , Foto: Johannes Kolhoff
Mit der Rapsblüte beginnen erneut die Diskussionen um neonicotinoide Beizmittel.

Das Moratorium zum Verbot von Beizmitteln, die Neonicotinoide enthalten, läuft im Dezember 2015 aus. Im Herbst 2014 konnten zum ersten Mal die insektiziden Beizmittel nicht angewandt werden. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern beklagen die Landwirte Fraßschäden, die Rapsschädlinge am Winterraps angerichtet haben. Das Agrarministerium in Schwerin hatte ergebnislos auf der Agrarministerkonferenz Ende März einen Antrag zum Rapsanbau eingebracht. Aus Sicht von Staatssekretär Dr. Peter Sanftleben habe das Verbot der neonicotinoiden Rapsbeizen durch den Befall der Winterrapsbestände mit Kohlfliege und Rapserdfloh zu wirtschaftlichen und ökologischen Problemen geführt. „Wir werden an diesem Thema dranbleiben“, betont Sanftleben.

Rukwied will Ernte abwarten

Der Deutsche Bauernverband (DBV) kann die Sorgen nachvollziehen. Eine Wiederzulassung von Neonicotinoiden für die Rapsbeizung forderte in dieser Woche DBV-Präsident Joachim Rukwied. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Efsa, müsse in ihrer Bewertung der Expertise der hiesigen Bundesinstitute folgen, die die Beizung als sicherste Methode ansähen, sagte Rukwied in Berlin.
Für eine endgültige Abschätzung der Auswirkungen des Neonikotinoidverbotes will Rukwied allerdings die kommende Ernte abwarten. Bei entsprechender Witterung könnten die Rapsbestände zum Teil darunter leiden, dass den Pflanzen die Pfahlwurzel fehle und somit die Wasserversorgung unzureichend sein könnte. Allerdings werde es dann schwierig sein, die Schäden ausschließlich dem fehlenden Beizschutz zuzuschreiben, weil es im Herbst auch Schädigungen durch Schnecken gegeben habe, gab Rukwied zu bedenken.

Gesundheit von Mensch und Tier hat Vorrang

Unterdessen hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt angekündigt, er werde sich dafür einsetzen, dass die Überprüfung der bestehenden europarechtlichen Beschränkungen für Neonicotinoide und die erneute Risikobewertung auf EU-Ebene schnellstmöglich zum Abschluss kommen. Für ihn hat der Schutz der menschlichen Gesundheit sowie der Tiere Priorität.

Frist endet im Dezember
Wegen des Verdachts der Gefährdung von Honigbienen hatte die EU-Kommission im April 2013 die Zulassung für drei Wirkstoffe, Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid, aus der Stoffgruppe der Neonicotinoide für zwei Jahre eingeschränkt. Das zweijährige Verbot gilt für Beizmittel für Sonnenblumen, Raps, Mais und Baumwolle. Eine Überprüfung findet im Spätherbst 2015 statt. (da)
Der baden-württembergische Agrarminister Alexander Bonde (Bündnis90/Die Grünen) will ein dauerhaftes Verbot von Neonicotinoiden. Er beruft sich auf eine Studie des europäischen Verbandes nationaler Wissenschaftsakademien (EASAC). Demnach seien die Auswirkungen der Neonicotinoide auf Ökosysteme noch gravierender als bisher angenommen.

„Bund und EU wären jetzt gut beraten, die verbleibende Zeit des Moratoriums bis Dezember 2015 zu nutzen und die Neonicotinoide dauerhaft zu verbieten. Die Industrie ist gefordert, der Landwirtschaft mehr umweltverträgliche Alternativen anzubieten. Nur so könne ein umfassender Schutz der Artenvielfalt erreicht werden", so Bonde. (da)
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