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Kaum Importe – Qualitätsansprüche anpassen

Agrarzeitung Ernährungsdienst 3. November 2007; Ein extrem hoher Proteingehalt ist das wesentliche Merkmal der Sommergerstenernte 2007 in vielen Gebieten der EU. Die Malzindustrie muss Qualitätsabstriche machen, um ihren Bedarf zu decken, berichtet die Jochen Mautner GmbH, Düsseldorf.

Nur in Großbritannien und den skandinavischen Ländern ist Sommergerste in diesem Jahr mit akzeptablen Proteingehalten geerntet worden. Zusätzlich werde die Qualität durch regional auftretenden Schimmelpilzbefall beeinträchtigt und Auswuchs sowie Pregermination führen zu erhöhter Mykotoxinbildung, schreibt Mautner in seinem neuesten Bericht. Nach der problematischen Ernte des Vorjahres müssten erneut erhebliche Abstriche bei den Qualitätsanforderungen gemacht werden, um die Versorgung der Industrie zu gewährleisten. Die Ursachen führt Mautner auf das Wetter zurück: „Sommer im April“ und viel Regen und kühle Temperaturen im Juli und August hätten bessere Ergebnisse nicht zugelassen.

Die guten Ernten in einigen Ländern im Norden der Gemeinschaft und vor allem im für die Versorgung der EU wichtigen Dänemark könnten die Situation nur teilweise verbessern. Qualitativ gute Partien würden häufig mit schwächeren vermischt, um der drohenden Versorgungslücke zu begegnen. Auch Wintergerste werde wieder verstärkt zum Einsatz kommen, erwartet Mautner.

Die Aussaatfläche in den wichtigsten Braugerste anbauenden Ländern der EU sei 2007 nach Schätzung von Coceral und Erhebungen von Mautner erneut um etwa 3 Prozent zurückgegangen. Wegen leicht angestiegener Erträge sei die Erntemenge andererseits nahezu gleich geblieben. Spanien sei bei dieser Bewertung wie üblich nicht berücksichtigt worden.

Hilfe von Seiten des Imports ist Mautner zufolge in der Saison 2007/08 nicht zu erwarten, da Australien wegen einer weiteren Missernte ausfalle und Kanada für Exporte nach Europa voraussichtlich auch nicht zur Verfügung stehe. „Nur bei großem Entgegenkommen aller Beteiligten kann diese schwierige Saison gemeistert werden“, appelliert Mautner. Die Braugersten- und Malzpreise würden nach den hohen Notierungen der zurückliegenden Ernte auf absolutem Rekordniveau verharren. Bei nur wenig Geschäft würden die nominellen Kurse im Moment nicht weiter ansteigen, da Verkäufer und Käufer sehr zurückhaltend seien.

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