Reaktionen der Wirtschaft

Brexit erschwert Exporte


Mit großem Bedauern hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) das Votum der Briten für einen EU-Austritt (Brexit) aufgenommen. Diese Entscheidung habe weit reichende negative Folgen für den innergemeinschaftlichen Handel und den Binnenmarkt, heißt es in einer Stellungnahme des DRV. „Der Brexit ist ein herber Rückschlag. Die Zusammenarbeit mit britischen Unternehmen und das Exportgeschäft werden belastet und erschwert. Ich befürchte, dass dieser Schritt der Renationalisierung zu einem handelspolitischen Flickenteppich in Europa führt. Ein Dominoeffekt muss unbedingt abgewendet werden. Und vor allem steht die Idee der europäischen Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft, die die Basis für Wohlstand und Frieden in der EU ist, ernsthaft zur Disposition“, erklärt DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers.

Industrie rechnet mit harten Einschnitten

Die deutsche Industrie rechnet nach der Brexit-Entscheidung mit „harten und unmittelbaren" Einschnitten im Handel mit Großbritannien. „Wir erwarten in den kommenden Monaten einen deutlichen Rückgang des Geschäfts mit den Briten. Neue deutsche Direktinvestitionen auf der Insel sind kaum zu erwarten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, am Freitagmorgen.

Wichtiger Absatzmarkt
Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft exportiert jährlich Güter im Wert von 4,2 Mrd. € in das Vereinigte Königreich. Im Gegenzug betragen die britischen Ausfuhren 1,4 Mrd. €, so dass die deutsche Außenhandelsbilanz mit knapp 3 Mrd. € im Plus liegt.
Der Brexit sei kein gutes Zeichen für Europa, es sei aber auch nicht der Anfang vom Ende, interpretiert der Milchindustrie-Verband das knappe Ergebnis des Referendums. Entscheidend werde sein, wie die Handelsbedingungen in Zukunft gestaltet werden. „Das Vereinigte Königreich ist und bleibt Mitglied in der Welthandelsorganisation WTO und damit gemeinsamen Spielregeln verpflichtet“, sagt Eckhard Heuser, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes in Berlin. Herausforderungen sieht der MIV in vielen Details. Mit dem Austritt Großbritanniens werde die EU die gesamten Drittlandsabkommen überarbeiten müssen. Einfuhrzollkontingente müssen neu verteilt werden, wobei England sicherlich gerne sein Butterkontingent aus Neuseeland zurückhaben möchte, erwartet der Verband.

Negative Auswirkungen befürchtet der MIV auf die TTIP-Verhandlungen zwischen der EU und den USA. Die TTIP-Freunde in der alt-EU verlieren einen wichtigen Unterstützer bei den Verhandlungen in Washington und Brüssel. (SB)
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