Report Pflanzenschutz im Frühjahr

Brexitfolgen erschweren Pflanzenschutz

Farmer hoffen auf mehr Möglichkeiten, aber wie die künftigen Regeln aussehen werden, ist noch unklar.
-- , Foto: AHDB
Farmer hoffen auf mehr Möglichkeiten, aber wie die künftigen Regeln aussehen werden, ist noch unklar.

Das Vereinigte Königreich steht vor einer Riesenaufgabe, wenn das Land die EU-Pflanzenschutzgesetze in ein nationales Regelwerk umsetzen will. Die Pflanzenschutzexperten der britischen Beratungsorganisation AHDB machen den Farmern wenig Hoffnung, dass sehr bald die als „überbordend“ empfundene Bürokratie nachlässt, im Gegenteil. „Es ist unwahrscheinlich, dass der Pflanzenschutz ganz oben auf der Tagesordnung steht, wenn es darum geht, die Gesetze anzupassen“, schreiben Sarah Baker und Jon Knight vom AHDB in einer Studie, die mögliche Brexitfolgen für die britische Landwirtschaft analysiert. Die beiden Autoren gehen vielmehr davon aus, dass die bisherige EU-Regulierung zunächst weitgehend unverändert in britisches Recht übernommen und erst mittelfristig reformiert wird.

Grundsätzlich gibt es für Sarah Baker und Jon Knight vier Optionen, wie das Vereinigte Königreich nach dem Brexit die Pflanzenschutzgesetze gestaltet. Möglich ist die Übernahme von EU-Recht oder von US-Recht, die Orientierung an OECD-Standards oder die Schaffung eigener britischer Standards.

Option 1: Angleichung an EU-Regeln. Dann wären die Farmer und die Agrarbranche unverändert mit den ungeliebten Brüsseler Vorschriften konfrontiert und würden keinerlei Gewinn aus dem Brexit ziehen. Sie hätten stattdessen sogar den Nachteil, dass sie als Zaungäste die EU-Regeln überhaupt nicht mehr mitgestalten dürften.

Option 2: Angleichung an US-Regeln. Britische Farmer hätten Zugang zu wesentlich mehr Wirkstoffen, gerade auch für Lückenindikationen, weil Großbritannien Teil eines riesigen Marktes für Agrarchemie würde. Die zusätzlichen Produkte wären allerdings nicht auf britischen Äckern geprüft. Außerdem müsste das Vereinigte Königreich dann mit den EU-Handelspartnern aushandeln, inwieweit die Vorschriften zur Pflanzengesundheit und zu den Rückständen äquivalent zu EU-Regeln sind.

Option 3: Übernahme von OECD-Standards. Wenn das Vereinigte Königreich sämtliche Registrierungen in eigener Regie durchführt, könnten die Behörden für die Wirkstoffprüfung den Bewertungsansatz der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) übernehmen. International akzeptable Rückstandshöchstgehalte für Lebensmittel hält der Codex Alimentarius bereit, der gemeinsam von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der UN vereinbart worden ist. Allerdings weisen die AHDB-Experten darauf hin, dass bislang wenige Regierungen diese Standards gemeinsam nutzen. Eine gegenseitige Anerkennung ist jedoch Voraussetzung für einen freien Handel.

Option 4: Ein eigener britischer Weg. Damit könnten die Briten die Registrierung vollständig kontrollieren, was zunächst gut klingt. Sarah Baker und Jon Knight nennen aber drei große Nachteile. Erstens müssten die Briten für ungehinderte Exporte die Akzeptanz jedes einzelnen Handelspartners gewinnen. Zweitens ist der britische Markt nicht so groß, dass sich eine nationale Registrierung in allen Fällen für die Hersteller lohnt. Und drittens würde der nationale Alleingang hohe administrative Kosten verursachen, für die es kaum ein neues Budget geben wird.

Die AHDB-Experten machen aber auch noch einen grundlegenden Einwand geltend. Britische Konsumenten und Lebensmitteleinzelhandel wüssten sehr wohl die EU-Standards mit dem hohen Sicherheitsniveau und den minimalen Rückstandswerten zu schätzen. „Es wird einige Jahre dauern, bis sich die regulatorische Last verringert. Unterdessen wird die einflussreiche Lobby der Umwelt- und Verbraucherschützer auf eine strenge Regulierung der Pflanzenschutzmittelzulassung drängen“, lautet für Sarah Baker und Jon Knight das wahrscheinliche Szenario. (db)
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