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Gemeinsame Aktion der gesamten Branche - Landwirte arbeiten nach den Richtlinien der guten landwirtschaftlichen Praxis

31. Juli 1999; Jürgen Parschau, Redaktion Agrarzeitung, Ernährungsdienst, Frankfurt am Main

Während in Deutschland noch über die Einführung von Qualitätssicherungssysteme in der landwirtschaftlichen Produktion diskutiert wird, stammt in Großbritannien bereits der größte Teil des Brotgetreides aus kontrollierter Erzeugung. Dort brachte die Zusammenarbeit der gesamten Branche das Qualitätssicherungsprogramm Assured Combinable Crops Scheme (ACCS) hervor. Es verfolgt das Ziel, durch einen ununterbrochenen Informationsfluß über alle Handelstufen hinweg, dem Lebensmittelhandel und vor allem dem Verbraucher Sicherheit beim Einkauf von Lebensmitteln zu bieten. Treibende Kräfte sind die britischen Getreideverarbeiter.

Das Qualitätssicherungsprogramm ACCS entstammt einer Initiative der getreideverarbeitenden Industrie, des Bauernverbandes und anderer Branchenverbände in Großbritannien. Ziel ist eine transparente Produktionskette, um die Qualität und Sicherheit der Produkte garantieren zu können. Zur Ernte 2000 werden etwa 10 Mio. t Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen nach den Leitlinien des ACCS produziert. Die britischen Getreideverarbeiter sind die treibende Kraft. Einige von ihnen akzeptieren 2000 ausschließlich nach den Programmrichtlinien erzeugtes Getreide. Vor allem sind dies Brotgetreidemühlen, die der Forderung der Verbraucher nach "sicheren" Produkten nachkommen wollen. Aber auch andere Verarbeiter wollen mittlerweile mehr über die Herkunft der Agrarprodukte wissen. Die britischen Industrieverbände der Mälzer, Müller, Ölsaatenverarbeiter sowie der britische Bauernverband, der Genossensschaftsverband, ein Umweltverband und der Verband der Agrarhändler gründeten daraufhin das Trägerunternehmen Assured Crops Ltd. mit Sitz in Oxon.

Mehr Landwirte nehmen teil

Zur Ernte 1999 werden bereits 7 Mio. t Mähdruschfrüchte von 5 000 Farmern nach den ACCS-Richtlinien geerntet. Für die Saison 1999/2000 rechnet Assured Crops mit etwa 8 000 Mitgliedsbetrieben und einer Erntemenge von 10 Mio. t. Nach Auskunft des britischen Müllerbundes (NABIM) ist darin der größte Teil des in Großbritannien vermahlenen Brotgetreides enthalten.

ACCS schließt die Erzeugung, die Ernte, die Aufbereitung und Lagerung auf den Farmen sowie den Transport von Mähdruschfrüchten ein. Die Mitgliedschaft können Betriebe in England und Wales beantragen. Voraussetzung für die Aufnahme der Farmen sind deren Aufzeichnungen über sämtliche Maßnahmen im Anbau und bei der Lagerung der Feldfrüchte. Die Produktion muß nach den Richtlinien des britischen Landwirtschaftsministeriums (MAFF) über die gute landwirtschaftliche Praxis erfolgen. Dieser Richtlinienkatalog und andere, die Produktion und Lagerung betreffende Leitfäden, bekommt der Farmer mit den Bewerbungsformularen zugesandt.

Das Programmjahr beginnt am 1. Juli und endet am 30. Juni. Die Bewerbung für das Programm ist zu jedem Zeitpunkt möglich. Eine Anerkennung zur Ernte im Folgejahr kann jedoch nur garantiert werden, wenn die Bewerbung bis zum 31. Dezember des Vorjahres gestellt wurde. Die bestehende Mitgliedschaft wird durch die Überweisung der Gebühr verlängert, die sich nach der Betriebsgröße richtet. Mit zunehmender Hektarzahl nimmt die durchschnittliche Belastung ab. Ein 100 ha-Betrieb muß mit Gebühren von 2 Ë/ha rechnen (siehe Übersicht). Darüber hinaus sieht das Programm vor, jährlich etwa zwei Drittel aller Mitgliedsbetriebe zu kontrollieren. Die Kontrollen und die Anerkennung vollzieht die U.K. Food Quality Certification Ltd. als unabhängiges Unternehmen.

Unabhängige Kontrollen

Stellt ein Betriebsleiter einen Antrag auf Anerkennung nach den Richtlinien des ACCS, muß er mittels einer Checkliste die Eignung der räumlichen und technischen Austattung des Betriebes dokumentieren. Sind die formellen Voraussetzungen erfüllt, überprüft ein unabhängiger Kontrolleur die Farm. Der Prüfer nimmt praktisch die gesamte Farm in Augenschein. Nur wenn keine Beanstandungen vorliegen, erhält die Farm das Zertifikat des ACCS. Zunächst kontrolliert er die notwendigen Aufzeichnungen auf ihre Vollständigkeit und Aktualität (siehe nebenstehenden Text). Anschließend prüft er die Lagerräume für Dünge- und Pflanzenschutzmittel.

Düngemittel müssen in Lägern mit trockenem, festem Boden in sicherer Entfernung von Gewässern oder Abflüssen gelagert sein. Bei Pflanzenschutzmitteln sieht das ACCS vor, daß diese in ihrer Originalpackung in abschließbaren Räumen oder Metallschränken untergebracht sind, die keine Abflüsse besitzen. Haben Pflanzenschutzmittel ihre Zulasung verloren, dürfen diese nicht mehr auf der Farm gelagert werden. Bei der Lagerung der Ackerfrüchte sollte der Farmer grundsätzlich nach dem Leitfaden des britischen Getreideamtes HGCA zur Vermeidung von Lagerungsschäden vorgehen. Die Lagerräume müssen insbesondere wasserdicht, gereinigt und desinfiziert sein. Alle Reinigungs- und Hygienemaßnamen müssen bis spätestens fünf Wochen vor der Einlagerung abgeschlossen sein. Außerdem sind geeignete Maßnamen zu treffen, um Vögel und Nagetiere aus dem Lager fernzuhalten. Die Aufbereitung der Früchte für die Lagerung soll möglichst schonend erfolgen. Gegen eine Verunreinigung mit Glassplittern muß der Farmer Glühbirnen und Leuchtstoffröhren durch Kunststoffabdeckungen sichern.

Das Assured Combinable Crop Scheme schreibt außerdem eine Kontrolle der Tranportfahrzeuge vor. Der Farmer muß sich selbst von der Sauberkeit der Fahrzeuge überzeugen. Entsprechend der Beschilderung der einzelnen Lagerpartien, verlangt das ACCS Begleitpapiere für jede einzelne Fuhre und eine Probe, die bis zur nächsten Ernte aufbewahrt werden muß.
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