Bruderhähne bei Fürstenhof
-- , Fotos: got, Fürstenhof
Bruderhähne bei Fürstenhof

„haehnlein" - die Marke verspricht, dass bei der Eierproduktion die männlichen Eintagsküken nicht getötet und geschreddert, sondern aufgezogen und als Masthähnchen vermarktet werden. Produziert werden Eier und Hähnlein von der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof aus Finkenthal in Mecklenburg-Vorpommern. 

Schmidt nennt keinen Ausstiegstermin mehr
Bestimmte Länder erhöhen den Druck. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) forderte auf der Agrarministerkonferenz in der vergangenen Woche in Hannover die Bundesregierung auf, ein Datum für den Ausstieg aus der Tötung männlicher Küken zu nennen. Schmidt müsse endlich Farbe bekennen, so Meyer. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will sich aber nicht festlegen lassen. Es müsse verhindert werden, dass die Produktion ins Ausland abwandere und dem Tierschutz damit ein Bärendienst erwiesen werde, so Schmidt. Noch im Januar hatte er auf der Grünen Woche in Berlin erklärt, dass das Kükentöten 2017 beendet wird.

Der Absatz der Eier gestaltet sich unproblematisch. Die Biosupermärkte von Alnatura und Denn's sowie Edeka, Globus, Rewe, Tegut und seit März auch Real haben die „haehnlein"-Eier ins Sortiment genommen. Das Fleisch aber ist bislang nur vereinzelt zu haben.

Hähne haben keinen leichten Stand

Die Hähne haben keinen leichten Stand bei den Einkäufern des Einzelhandels. Während Eier mittlerweile in vielen Supermärkten zu beziehen sind, sucht man das ebenfalls von der Erzeugergemeinschaft angebotene Hähnlein-Fleisch jedoch in den allermeisten Supermärkten noch vergebens. Einzig bei Denn's, Tegut und Globus wird Haehnlein-Fleisch tiefgekühlt als Brustfilet, Schenkel und Flügel angeboten. Real prüft derzeit, das Fleisch ins Sortiment zu nehmen.

4 Cent müssen Verbraucher für ein Ei mehr bezahlen, damit keine männlichen Küken getötet wurden. Die Mehrkosten für die Aufzucht der Hähne gegenüber Masttieren entsteht durch höhere Futter- und Betreuungskosten. 
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Konventionell gehaltene Hühner aus den für die Mast gezüchteten Rassen erreichen ihr Schlachtgewicht in rund 35 Tagen. Bio-Masthühner werden nach etwa 75 Tagen geschlachtet. Die männlichen Küken für das Hähnlein-Programm müssen laut Fürstenhof 120 bis 150 Tage gefüttert werden. „Während dieser Zeit bekommen sie bestes Bio-Futter, haben Beschäftigungsmaterial, damit ihnen nicht langweilig wird und viel Platz", beschreibt Fürstenhof die Haltungsbedingungen.

Verbleib der Bruderhähne ungewiss

Auf die Frage der agrarzeitung, ob das gesamte Hähnlein-Fleisch im Lebensmitteleinzelhandel verkauft wird und wie etwaige nicht absetzbare Überschüsse verwertet werden, antwortet die Erzeugergemeinschaft Fürstenhof ausweichend: „Was die Vermarktung unserer Haehnlein angeht, sind wir sehr zufrieden und die heutigen Zahlen übersteigen, was wir für möglich gehalten hätten. … Konkrete Zahlen möchten wir nicht veröffentlichen und bitten dafür um Verständnis.“ (got/SB)
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