Übernahmepläne

Brüssel prüft Syngenta-Pläne schärfer

Verflechtungen
ChemChina ist ein stark diversifizierter chinesischer Staatskonzern, zu dem die Agrarchemiesparte China National Agrochemical Corporation (CNAC) gehört. Bereits seit 2011 sind die Chinesen an der Adama Agricultural Solutions Ltd., Tel Aviv, beteiligt, und halten seit diesem Jahr alle Anteile. Für 2017 ist geplant, in China die Agrarchemieaktivitäten an die Börse zu bringen. Nach Branchenschätzungen hält ChemChina 5 Prozent des Weltpflanzenschutzmarktes, was einem Umsatz in der Größenordnung von 3 Mrd. US-$ entspräche. Adama wiederum hat 2015 Pflanzenschutzmittel im Wert von 3,1 Mrd. US-$ verkauft. Syngenta hat 2015 mit Agrarchemie 10,6 Mrd. US-$ und mit Saatgut 2,8 Mrd. US-$ umgesetzt. (db)
„Das Vorhaben würde ein führendes Pflanzenschutzunternehmen mit einem der wichtigsten Generikaproduzenten zusammenbringen“, konkretisierte die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in einer Pressemitteilung. Denn der geplante Zusammenschluss würde nicht nur das Schweizer Unternehmen Syngenta, eines der wichtigsten weltweit tätigen Saatgut- und Pflanzenschutzunternehmen, und das chinesische Unternehmen ChemChina zusammenführen. ChemChina kontrolliert auch Adama, den die EU-Kommission als „größten Anbieter generischer Pflanzenschutzmittel in Europa“ einstuft.

Hohe addierte Marktanteile in Europa

Die EU-Kommission äußert als Bedenken, dass sich in Europa die Pflanzenschutzpalette von Syngenta und ChemChina – indirekt über Adama – stark überschneiden würden. Sie hat in Voruntersuchungen festgestellt, dass die beteiligten Unternehmen auf „vergleichsweise hohe gemeinsame Marktanteile“ kämen. Deswegen äußern die Brüsseler Wettbewerbshüter die Sorge, dass der geplante Zusammenschluss den Wettbewerb auf diesen Märkten einschränken könnte, was sich wiederum auf Preise und Auswahl für die Landwirte auswirken könnte.

Außerdem soll die vertiefte Prüfung zeigen, ob der Zusammenschluss auch die Belieferung mit Wirkstoffen durch Syngenta und ChemChina negativ beeinflussen könnte. Denn beide Konzerne sind am Weltmarkt wichtige Hersteller von chemischen Ausgangsstoffen zur Erzeugung von Pflanzenschutzmitteln, die auch von konkurrierenden Unternehmen genutzt werden.

Zeit bis Mitte März 2017

Die EU-Kommission hat für die vertiefte Prüfung Zeit bis zum 15. März 2017, um einen Beschluss zu erlassen. Syngenta-Chef Erik Fyrwald hatte diese längere Prüfung bereits angedeutet. „Jetzt rechnen wir damit, dass sich der regulatorische Prozess bis ins erste Quartal 2017 erstrecken wird“, sagte er vorige Woche bei der Vorlage der Quartalszahlen. Einer solchen vertieften Prüfung hinsichtlich ihrer Agrarchemiesparten müssen sich auch die beiden Fusionskandidaten DuPont und Dow Chemicals stellen. (db)
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