Transparenz-Debatte

Cargill-Chef sieht Imageverlust

In den vergangenen Jahren habe sich die Wahrnehmung des Rohstoffhändlers in der Öffentlichkeit verändert – und nicht zum Guten. Zu dieser Beobachtung kam Greg Page, Vorstandsvorsitzender des weltweit größten Agrarrohstoffhändlers Cargill, zu Wochenbeginn auf einer internationalen Rohstoffkonferenz in der Schweiz.

Handelshäusern droht gleiches Schicksal wie Bankern

Handeln werde in der öffentlichen Diskussion oftmals mit Spekulation und Marktmanipulation verbunden, gab Page zu bedenken. Er warnte davor, dass Handelshäusern das gleiche Schicksal drohe wie dem Bankensektor, der seit der Finanzkrise immer stärkeren Regulierungen unterworfen sei.

„Es herrscht die Auffassung, dass Handelshäuser heimlichtuerisch und total undurchsichtig sind, Märkte manipulieren und Preise festsetzen wie eine kleine Gruppe von Bankern den Zinssatz Libor manipulierte“, sagte Page laut Redemanuskript. Der Cargill-Chef betonte, dass diese Wahrnehmung „von der Wahrheit weit entfernt“ sei – und dass im heutigen Informationszeitalter Informationen über das Marktgeschehen praktisch jederzeit verfügbar seien.

Branche muss offene Preisbildung unterstützen

Dennoch sieht Page den Rohstoffhandel in der Pflicht, seinen Teil dazu beizutragen, dass eine „offene Preisbildung“ erfolgen könne. Seine Branche sei dafür verantwortlich, dass „Preissignale“ gehört würden – nicht nur von Profis, sondern auch von Millionen von Landwirten auf der ganzen Welt. Der Wirtschaftszweig müsse sich der Verantwortung für seine Handlungen bewusst sein – und auch der möglichen Konsequenzen für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Der Handelssektor sollte sich für gesetzliche Rahmenbedingungen aussprechen, die die Märkte in ihrer Funktionsweise zum Wohle aller unterstützen.

Nach Auffassung des Cargill-Chefs hat die Branche eine Wahl – entweder, sie nehme konstruktive Regeln an, oder sie müsse mit solchen Vorgaben leben, die ihr von Außenstehenden übergestülpt würden. (pio)
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