Glencore-Gerüchte

China könnte neuen Agrarriesen formen


30 Mrd. $ hoch ist die Schuldenlast des Schweizer Rohstoffriesen Glencore. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Dow Jones will das Unternehmen nun Teile seines Agrargeschäfts verkaufen. Das Geschäft werde mit rund 12. Mrd. $ bewertet, beruft sich die Agentur auf einen Insider.

Ein potenzieller Käufer sei die staatliche China National Cereals, Oils and Foodstuffs Corporation (Cofco). „Sollte Cofco zum Zuge kommen, sehen wir am Agrarmarkt vielleicht einen neuen Agrargiganten“, zitiert Dow Jones Andrey Sizov von SovEcon, einem auf die Agrarbranche spezialisierten Analystenhaus. Die Größe dieses Unternehmens könne es mit den derzeit großen Vier, ADM Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und Dreyfuss aufnehmen, sagte der Analyst.

Investmentbank prognostiziert Verluste

Während Rohstoffe vor ihrem schlimmsten Quartal seit der weltweiten Finanzkrise 2008 stehen, warnte die Investmentbank Morgan Stanley nun, dass noch weitere Verluste kommen könnten. Die Erträge von 22 Rohstoffen, die Bloomberg beobachtet, sind um etwa 15 Prozent zurückgegangen, so stark wie noch nie seit dem letzten Quartal 2008. Für China, den größten Verbraucher von Energie, Metallen und Getreide, wird das schwächste Wirtschaftswachstum seit 1990 prognostiziert. Öl führte den Rückgang an, aber auch alle anderen Rohstoffe wie Kupfer oder Weizen verloren mehr als zehn Prozent, weil spekuliert wird, dass das Angebot die Nachfrage übertreffen wird.

Glencore-Aktie rauscht auf Allzeittief

Die Aktie von Glencore brach am Montag, 28. September, um bis zu 30 Prozent ein und wurde zum Pennystock. Mit zeitweise 67 Pence an der britischen Börse befand sie sich auf dem tiefsten Stand seit Börsengang im Mai 2011. Die Marktteilnehmer trieb um, dass der Konzern nicht aus den roten Zahlen kommen könnte, sollten die Rohstoffpreise bis auf weiteres nicht steigen. Dann jedoch fing sich das Papier im Laufe des Dienstags wieder und legte teils um 16 Prozent zu.

Glencore hatte in einer Reaktion auf die drastischen Kursverluste eine Mitteilung veröffentlicht, die zeigt, dass die Schweizer offenbar besser dastehen als befürchtet. Man habe Schritte eingeleitet, um den aktuellen Widrigkeiten auf dem Rohstoffmarkt zu trotzen. Das Geschäft sei operativ und finanziell robust aufgestellt, man weise einen positiven Cash Flow - genügend liquide Mittel - auf, und man habe absolut keine Probleme bei der Zahlungsfähigkeit.

Man habe Fortschritte gemacht und eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, mit der die Verschuldung um bis zu 10,2 Mrd. $ gesenkt werden solle, hieß es weiter. Ein Hinweis auf mögliche Verkäufe? Die Gerüchteküche brodelt weiter. (mas)
stats