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Ehrgeizige Biokraftstoffziele – Mais wichtigster Rohstoff

Agrarzeitung Ernährungsdienst 2. September 2006; Von Dagmar Behme, Frankfurt a.M.

China will bis zum Jahr 2020 seinen Kraftstoffbedarf zu 15 Prozent aus biogenen Quellen decken. Dieses ehrgeizige Ziel kann angesichts des rasant wachsenden Autoverkehrs in der Volksrepublik an Grenzen der Rohstoffbeschaffung stoßen.

China produziert schon seit vielen Jahren in kleinerem Umfang Bioethanol, allerdings erst seit 2004 gezielt für den Treibstoffmarkt. Seither ist die Kapazität ausgebaut worden und summiert sich zurzeit nach einer Studie des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA auf etwa 920.000 t Ethanol, die von vier Unternehmen hergestellt werden. Bis zum Jahr 2007 ist eine Erweiterung auf insgesamt 1,66 Mio. t Ethanol geplant. Damit ist China allerdings weit von den führenden Erzeugungsländern Brasilien und USA entfernt, die heute schon jeweils über Kapazitäten in einer Größenordnung von 12 Mio. t Ethanol verfügen.

Fahrzeugbestand wächst zweistellig

Atemberaubende Steigerungsraten weist der chinesische Fahrzeugmarkt auf. Seit Mitte der 1980er Jahre wächst der Fahrzeugbestand in China fast in jedem Jahr zweistellig. 2004 wurden nach Landesangaben rund 27 Mio. Fahrzeuge gezählt, darunter mehr als 17 Mio. Pkw. Für diese Privatfahrzeuge erwartet die Mercer Management Consulting, München, in den kommenden Jahren weiteres Wachstum um 17 bis 21 Prozent jährlich. „Verdienten 2002 gerade einmal 3,7 Prozent der Chinesen genug Geld, um sich ein Auto leisten zu können, werden es im Jahr 2010 bereits 13 Prozent sein“, verdeutlicht eine Studie des Beratungsunternehmens. Oder noch bildlicher: Jeden Tag kommen allein in Peking 1.000 neue Fahrzeuge auf die Straßen.

Entsprechend steigt der Treibstoffbedarf in China und damit das Interesse an biogenen Alternativen, um die Energiesicherheit zu erhöhen und die Emissionen aus dem Straßenverkehr zu senken. Außerdem brächte Bioenergie einen Teil des Wirtschaftswachstums, der jetzt vor allem die Ostküste antreibt, auch in die ländlichen Regionen Chinas. Die Regierung in Peking strebt nach USDA-Informationen an, dass die beiden großen Mineralölgesellschaften des Landes künftig dem Benzin 10 Prozent Ethanol beimischen. Würde diese Marke verwirklicht, errechnet sich ein chinesischer Ethanolbedarf von 5,5 Mio. t, also mehr als das Fünffache der heutigen Kapazitäten.

Vom Exporteur zum Importeur

Peking selbst erwägt, bis 2010 eine Erzeugung von 4 Mio. t Ethanol anzustreben. Mit einem solchen Ziel handelt sich China allerdings eine neue Abhängigkeit ein. Als Ausgangsprodukt für die Ethanolproduktion dient heute in erster Linie Mais und außerdem in geringerem Umfang Weizen, Reis und Tapioka. Das USDA hat die Verfügbarkeit untersucht. Sollte Mais der Hauptrohstoff bleiben, wird sich China nach Einschätzung der Amerikaner ab dem Jahr 2008 von der Liste der Maisexporteure verabschieden und ab dem Jahr 2010 sogar jährlich etwa 10 Mio. t Mais importieren. Dagegen hält das USDA einen größeren Einsatz von Weizen für die Ethanolproduktion für unwahrscheinlich, weil hier die Konkurrenz zur Verwendung als Nahrung zu groß ist. Eher Zukunftsmusik für die Ethanolherstellung ist der verstärkte Anbau von Tapioka, der vor allem im Süden des Landes noch erhebliches Ertragspotenzial birgt.

Interessant ist, wie in Peking der nächste Fünfjahresplan 2006 bis 2010 für die Bioenergie formuliert werden wird. Eine Veröffentlichung ist im Spätherbst zu erwarten. Das USDA geht davon aus, dass die chinesische Regierung die energetischen Pläne etwas bremsen wird, sobald eine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln entsteht. So lange profitieren können jedoch alle internationalen Anlagenbauer für Biokraftstoffe, die nach Einschätzung des USDA in China einen aufnahmefähigen Markt finden.
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